Krefeld: Ein Hauch Lagerfeuerromantik
VON MARCEL MELLOR - zuletzt aktualisiert: 26.05.2009Krefeld (RPO). Patricia Kelly, drittälteste Tochter der Kelly-Family, hatte für Sonntag zu einem musikalischen Abend in die Friedenskirche eingeladen. Viele der überwiegend weiblichen Zuhörer waren gekommen, um den Abgesandten der Starfamilie zu sehen. "Die hat aber abgenommen", raunte es durch den Saal. Andere waren als Anhänger des Folks erschienen. Für alle war der Abend erhellend. Denn "Essentials" ist ein Liederabend im klassischen Sinne: Es wird erzählt, ob musikalisch oder in den Geschichten zwischen den Songs. Patricia spricht mit leiser, fast hauchender Stimme, die so viel tiefer ist als ihre Gesangsstimme. Schon nach wenigen Augenblicken ist auch der letzte verzaubert von der fast intimen Atmosphäre, in der die kleinen Sprachschnitzer der gebürtigen Spanierin nicht stören, im Gegenteil. Fast exotisch und weit älter als wenige Jahrzehnte wirkt das Erzählte, die ständige Wanderschaft der Kellys vom spanischen Baskenland nach Österreich, Irland, Frankreich, immer unterwegs mit dem geliebten "Papa, der kein Tempo halten konnte, aber die Musik liebte". Das Bild selbst eingefleischter Kelly-Fans wird im Laufe des Abends überrollt, nicht, weil man völlig neues hört, sondern weil das Lächeln der 39-jährigen, die als Kind jede Nacht unter freiem Himmel schlief und dabei "so glücklich war wie nie wieder", erstaunt und berührt. Die folkigen, kontemplativen Lieder sind dabei weder Höhepunkte noch Untermalung, sondern fügen sich nahtlos in einen betörenden Akustikabend ein. Gitarrist Ralf Herrenkind, einziger Begleiter, macht keine Purzelbäume auf seinem Instrument, und auch Patricia Kelly verziert und verjazzt die Melodien nicht – was sie, wie ihre Tour im vergangen Jahr bewies, durchaus kann –, sondern singt sich und ihre Zuhörer mit glockenklarer Stimme und geschlossenen Augen zurück an die Abende am Lagerfeuer. Über das letzte ruhmreiche Jahrzehnt, als die Familie die Flucht vor den Musikproduzenten endlich aufgab, verliert Kelly nur wenige Worte und zwei bekannte Lieder. Sie werden begeistert mitgesungen.
Doch frenetisch ist der Applaus erst, als ihre zwei kleinen Söhne – gebürtige Krefelder – ihr Bühnendebüt geben und das Publikum gewahr wird, dass die Kelly-Tradition weiterlebt. Wohl deswegen verließ jeder den Saal mit einem Lächeln.
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