Krefeld: Ein Stück Kultur weniger
VON MARKUS WASCH - zuletzt aktualisiert: 29.09.2006Krefeld (RPO). Die Buchhandlung in Fischeln öffnet morgen zum letzten Mal. Aus finanziellen Gründen muss der Laden geschlossen werden. Für die Anwohner fällt damit ein kultureller Treffpunkt des Stadtteils weg.
Die Regale sind schon leergeräumt. Schilder mit der Aufschrift „Alles muss raus“kleben auf den noch verbliebenen Bücher. Die Buchhandlung mit Wohnzimmer-Flair hat ihren Zauber verloren. Nichts ist mehr zu sehen von der liebevoll gestalteten Einrichtung. Mit betrübten Gesichtern bedienen die sonst so fröhlichen Mitarbeiter die Kunden. Nächsten Monat hätte die Fischelner Buchhandlung ihr zehnjähriges Jubiläum gefeiert – stattdessen muss sie schließen.
„Egal wie man es betrachtet, es ist auf jeden Fall negativ für den Stadtteil“, ärgert sich die jahrelange Kundin Regine Peulings-Braun. Für sie und viele andere ist es ein herber Verlust. Denn die Buchhandlung war der kulturelle Treffpunkt des Stadtteils. Hierhin kamen Menschen mit ähnlichen Interessen.
Buchhandlung
Adresse Kölner Straße 574
Telefon 93 81 80
e-mail info@fischelnbuch.de
Inhaber Erbengemeinschaft Stangenberg
Voriger Inhaber Josef Stangenberg
Eröffnet Im Oktober 1996
Geschlossen 30. September 2006
Morgen öffnet das kleine Geschäft zum letzten Mal seine Türen. Die ganze Woche über kamen Stammkunden, um sich zu verabschieden. Sie tauschten Adressen aus und überreichten Abschiedsgeschenke. Kunden und Mitarbeiter trauerten gemeinsam der vergangenen Zeit nach.
Grund für die Schließung ist die finanzielle Lage der Buchhandlung. Die Inhaber, die Erbengemeinschaft Stangenberg, mussten zuletzt mehrere tausend Euro in den Laden stecken, um ihn weiter zu erhalten. Nach dem Tod von Josef Stangenberg vor anderthalb Jahren hatten die Erben den Laden weiter geführt. Am Ende hat es alles nichts gebracht. Keine neue Finanzierung von der Bank, kein neues Ladenlokal, die Mitarbeiter haben sogar versucht, den Laden selber zu finanzieren. „Man hat so eine persönliche Bindung zu den Kunden aufgebaut, da sind richtige Freundschaften entstanden“, sagt Mitarbeiterin Anna Beier. Sie und die Kunden sind sich einig: Der Stadtteil mit seinen zahlreichen Schulen, Kindergärten und Anwohnern braucht einen Buchhandel.
Viele Bürger sind sauer und enttäuscht. Sie wollen nicht für jedes Buch in die Stadt oder nach Osterrath fahren müssen. „Hier hatte man persönliche Betreuung, es ging alles sehr schnell, und der Laden war sehr übersichtlich“, sagt Kundin Alexandra von Oelhafen. Sie habe keine Lust auf Parkplatzsuche und Parkgebühren in der Innenstadt. Regine Peulings-Braun sagt sogar: „Für mich war die Buchhandlung so selbstverständlich wie Brötchen holen, immer mal reinschauen und gucken, was es so gibt.“
„Wie eine zweite Familie“
Noch schlimmer sieht es für die Mitarbeiter aus. Anna Beier und ihre Kollegin Sabine Liebeling haben sich jetzt arbeitssuchend gemeldet. Die ausgebildeten Buchhändlerinnen würden am liebsten wieder in einer Buchhandlung arbeiten. Doch einen Arbeitsplatz, der „wie eine zweite Familie ist“, wie es Putzfrau Anita Heinrich ausdrückt, werden sie wohl so schnell nicht finden. Morgen trifft sich „die Familie“ zum letzten Mal. Es wird ein trauriger Samstag in Fischeln.
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