Krefeld: Einkaufen gut – Planung schlecht
VON DIETER HILLA - zuletzt aktualisiert: 11.09.2007Krefeld (RPO). Die Seidenstadt lockt viele Kunden zum Einkaufen. Besonders als Standort für Bekleidung hat sich Krefeld etabliert. Aber: Die Konkurrenz der Nachbarstädte ist groß. Und Krefeld fehlt bisher ein Konzept, sich gegen die Mitbewerber zu behaupten.
Wer den Krefelder Einzelhandel loben will, hat Grund dazu. „Krefeld hat eine kompakte Innenstadt, in der die Geschäfte alle gut zu Fuß zu erreichen sind“, sagt Anja Geer, IHK-Geschäftsführerin für Unternehmensförderung. Die Stadt habe einen sehr guten Branchenmix und eine gute Mischung von Einzelhändlern und Filialisten. Ähnlich sieht dies Joel Smolibowski, der neue Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes: „In Krefeld findet man alles, was man braucht. Außerdem haben wir sehr engagierte Händler, die ihre Kunden gut kennen.“
Der jährliche Umsatz des Einzelhandels liegt bei 1,4 Milliarden Euro, wie Olaf Petersen weiß. Er ist Geschäftsführer der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) Geomarketing. Eine Verkaufsfläche von 410 000 Quadratmetern steht den Kunden zur Verfügung, davon sind 110 000 Quadratmeter in der City.
Wertung: vier Sterne
+ kompakte Innenstadt.
+ vielfältiges Angebot.
+ Krefelder Samstag eine gute Attraktion
+ gute Entwicklungen am Behnisch-Haus.
+ Die Stadt lockt viele Kunden aus dem Umland.
– Es fehlt ein Konzept für die Zukunft.
– Keine Strategie erkennbar, um gegen die Konkurrenz der Nachbarstädte zu bestehen.
– Uneinheitliche Öffnungszeiten der Geschäfte.
Umstritten ist, in welchem Verhältnis inhabergeführter Einzelhandel und Filialen großer Ketten zueinander stehen sollen. Der Filialisierungsgrad liegt in Krefeld bei 48,8 Prozent, wie aus einem City-Profil von Kemper’s, einem Makler und Berater für Handelsimmobilien, hervorgeht. Das ist weit unter dem Durchschnitt. „Je höher der Filialisierungsgrad, um so größer ist die Attraktivität der Stadt für große Ketten“, erläutert Kemper’s Sprecher Magnus Danneck. In manchen 1a-Lagen liege der Grad über 80 Prozent. „Die Filialen sind das Zugpferd“, weiß auch Anja Geer. Sie hält die Krefelder Mischung aber für sehr attraktiv. Smolibowski lobt, dass Krefeld ein Gesicht hat, weil die Geschäfte von den ortsansässigen Händlern geprägt seien.
Krefeld lockt Kunden aus dem Umland. Dafür sprechen die Zahlen. Laut Kemper’s liegt die Umsatzkennziffer je Einwohner bei 121. Das bedeutet, dass der Umsatz in Krefeld 21 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegt. Die Zentralitätskennziffer beträgt 119,2. Es fließen somit 19,2 Prozent mehr Kaufkraft in die Stadt als Krefelder außerhalb der Stadt ausgeben.
Besonders beliebt scheint Krefeld als Einkaufsstadt für Bekleidung. Hier liegt die Zentralitätskennziffer bei 160, wie Olaf Petersen ausführt. 60 Prozent der in Krefeld gekauften Bekleidung bleiben demzufolge nicht in der Seidenstadt. Der jährliche Einzelhandelsumsatz liegt laut Petersen bei 1,4 Milliarden Euro.
Lob gibt es von Anja Geer für die Krefelder Samstage. Sie seien eine Attraktion, bei der sich Krefeld gut präsentiere und viele Kunden anlocke. Die Händler hätten gezeigt, wie sie gemeinsam Erfolg haben.
Gute Noten erteilt Geer auch den Entwicklungen am Behnisch-Haus. Wenn es dort mehr Gastronomie gibt, locke dies die Menschen, in der Innenstadt zu bleiben. Der Handel könne davon profitieren. Und auch die geplante Verbindung zum Ostwall könne die Anziehungskraft der Stadt steigern.
Froh ist Geer über die Stadtteilzentren. Krefeld sei so groß, dass sich die Stadt solche Zentren leisten könne. Uerdingen entwickelt sich ihrer Einschätzung nach durch die Bebauung am Röttgen gut. Fischeln sei ein lebhaftes Zentrum.
Seit Jahren befürworten IHK und Einzelhandelsverband das Zentrenkonzept. Es verhindert, dass die Innenstadt als Einkaufszentrum durch Ansiedlung von Geschäften auf der grünen Wiese ausblutet. „ In Krefeld gibt es eine Gruppe, die prüft, ob das Konzept noch aktuell ist“, lobt Geer.
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