Krefeld: Einsamer Kiosk in Abrisswüste
VON JOCHEN LENZEN - zuletzt aktualisiert: 23.02.2010Krefeld (RPO). An der Kölner Straße hat die Stadt die alte, leerstehende Häuser abgerissen. Nur das Geschäft von Anna Sdirou steht noch. Ihr Mietvertrag läuft bis 2012. Angebote, das Haus freizuziehen, lehnt sie bisher ab.
An der Kölner Straße bietet sich ein Bild wie in den unmittelbaren Nachkriegsjahren: Zwischen Melanchthonstraße und Helios-Klinikum hat die Stadt fast den gesamten Bestand alter, leer stehender Häuser abgerissen. Inmitten der geräumten Grundstücke steht nur noch ein einsames, zweigeschossiges Haus mit einem Kiosk, flankiert von den traurigen, umzäunten Resten der ehemaligen Nachbarhäuser. Aus Gründen der Statik, so die Stadt, müssen die Mauerreste stehen bleiben; die Gitter dienen der Verkehrssicherheit.
Zweck der Abrissaktionen ist die Verbreiterung der Kölner Straße. Deshalb hat die Stadt schon vor Jahren die alten Gebäude aufgekauft; im März 2007 auch das Haus mit Kioskmieterin Anna Sdirou mit ihrem Vertrag, der bis Ende 2012 läuft. Die Häuser wurden sukzessive freigezogen und drei von ihnen in einem ersten Schritt abgerissen. Nachdem es im vergangenen Jahr in einigen leer stehenden Häusern an der Ritterstraße Probleme mit Vandalismus und zwei Brandstiftungen gegeben hatte, entschloss sich die Stadt, die noch stehenden Gebäude an der Kölner Straße abzureißen, wie Wolfgang Kritzler, Leiter des Fachbereichs Katasterwesen, berichtet.
Zum Mietvertrag
Bezüglich der Abrissmaßnahmen weist die Stadt darauf hin, dass sie die Mieterin über diese Pläne schon vor Dezember 2007 informiert habe. Zu diesem Zeitpunkt lief nach Auskunft der Stadt der Mietvertrag Anna Sdirous mit der Voreigentümerin aus, doch habe sie trotz dieses Wissens von ihrer fünfjährigen Verlängerungsoption Gebrauch gemacht.
Alternativen angeboten
Weil das in einem zweiten Schritt komplett geschehen sollte, habe die Stadt ihre Mieterin zwei Alternativstandorte – schräg gegenüber und an der Ecke Melanchthon-/Kölner Straße – genannt. Außerdem habe sie Umzugshilfen und für die Auflösung des Mietvertrags auch eine Entschädigung angeboten, die eine fünfstellige Höhe erreiche, erklären Kritzler beziehungsweise das städtische Presseamt. Die Mieterin habe aber abgelehnt.
"Mir wurde von der Stadt kein Ladenlokal angeboten", sagt Anna Sdirou. Wohl sei ein "anderer Herr, vermutlich ein Makler", erschienen, der von einem Ladenlokal im Neubau an der Ecke Melanchthon- und Kölner Straße sprach. "Ein Geschäft lebt aber von seinem Standort, und meines existiert mit der Lotto-Toto-Annahmestelle schon seit fast 30 Jahren an dieser Stelle. Ich selbst führe es jetzt im 14. Jahr, habe meine Stammkunden und verdiene damit meinen Lebensunterhalt, obwohl ich jetzt wegen der Zäune und des vormaligen Abrisslärms Einbußen hinnehmen musste."
Ein Umzug müsse außerdem bezahlbar sein. Was die Entschädigung angehe, so die 34-Jährige, sei man vor Jahren einmal ins Gespräch gekommen, seitdem aber habe sie zu diesem Thema nichts mehr gehört. "Eine Entschädigung darf aber kein Almosen sein."
Die Verbreiterung der Kölner Straße wird aus finanziellen Gründen übrigens nicht vor 2013 in Angriff genommen.
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