Krefeld: Elefanten: 15 Stunden in Ketten
VON BÄRBEL KLEINELSEN UND MARKUS WASCH - zuletzt aktualisiert: 07.09.2007Krefeld (RPO). Rhena, Mumptas und Yheetoo führen ein tristes Dasein. Ihr Gehege ist zu klein, es fehlt Wasser. 15 Stunden pro Tag sind die Kühe angekettet. Die Politik blockt eine Diskussion über die veraltete Haltung ab.
Das Thema ist unbequem. So unbequem, dass es am Mittwochabend bei der Aufsichtsratssitzung der Zoo GmbH erst gar nicht offiziell zur Sprache kam. Doch aufmerksame Besucher des Zoos werden schnell eine seiner Schwachstellen finden: die Elefantenanlage. Innen- und Außengehege der drei Kühe Rhena, Mumptas Mahal und Yheetoo entsprechen zwar den Mindestanforderungen an Elefantenhaltung in deutschen Zoos, sind aber längst nicht mehr zeitgemäß.
So gab es auf der jüngsten Mitgliederversammlung der Krefelder Zoofreunde heftige Diskussionen. In seiner Rede bezeichnete Vorsitzender Rolf Herding die jetzige Haltung als „Imageproblem“. Selbst nach einer Erweiterung der Anlage, die angedacht ist, sei Krefeld im Gegensatz zu Wuppertal und Köln „allenfalls drittklassig“. Solche Argumente stoßen bei vielen Politikern auf taube Ohren. Aufsichtsratsvorsitzender Joachim C. Heitmann (FDP) blockte ab: „Solange keine gleichwertige Attraktion da ist, wollen wir uns nicht das Standbein wegschießen.“
Die Haltung
Außenanlage 1200 qm².
Innenanlage 390 qm².
Wasser Innen: 16 qm² großes Becken. Außen: keine Wasserstelle. Im Sommer liegt ein Schlauch im Gehege, aus dem Wasser läuft.
Abwechslung Wahlweise Show oder Spaziergänge.
Den Zoofreunden bot sich an diesem Abend ein trauriges Bild. Alle drei Elefantenkühe schaukelten unablässig hin und her, zeigten auffällige Verhaltensstörungen. Ihre Füße sind täglich von 17 Uhr nachmittags bis acht Uhr morgens mit Ketten fixiert. „Die Kühe sind teilweise sogar aggressiv. Sie haben eine sehr unharmonische Beziehung, die auf die schlechten Haltungsbedingungen zurückzuführen ist“, erklärte Zoo-Tierarzt Dr. Martin Straube. Er forderte mehr Platz und mehr Beschäftigung für die Tiere. Ketten seien nicht länger zu vertreten. Außerdem müssten Elefanten in sozialen Strukturen leben können.
Hospitalisiert und aggressiv
Mit diesen Forderungen steht Straube nicht alleine da. Zurzeit werden europaweite Richtlinien erarbeitet, die eine artgerechte Elefantenhaltung in Zoos garantieren sollen. Krefeld ist weit davon entfernt, diesen Kriterien gerecht werden zu können. Das wissen auch die Zoofreunde und fragen: „Braucht ein richtiger Zoo Elefanten?“ Herding sagt klar: „Nein“. Unterstützung bekommt er von Grünen-Ratsfrau Heidi Matthias, die auch im Aufsichtsrat sitzt. „Wer über die tatsächlichen Lebensbedingungen unserer hospitalisierten Elefanten Bescheid weiß, kann ihnen nur die Überführung in zeitgemäße Elefantenanlagen wünschen.“ Doch die Aufsichtsratsmitglieder umschifften auch Mittwoch wieder das lästige Thema. Sie spielen auf Zeit. Vorsitzender Heitmann verweist auf andere Projekte wie den Wirtschaftshof, die Vorrang hätten.
Rhena (35), Mumptas (35) und Yheetoo (30) sind noch nicht alt. Sie haben noch gut 20 Jahre vor sich.
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