Krefeld: Elefanten-Wüste statt Park?
VON BÄRBEL KLEINELSEN UND MARKUS WASCH - zuletzt aktualisiert: 08.09.2007Krefeld (RPO). Die Zoofreunde sehen die Elefantenhaltung im Krefelder Zoo schon länger kritisch. Die Argumente vieler Politiker nennt der Vorsitzende Rolf Herding „populistisch“. Eine langfristige Haltung dieser Tiere findet er schlicht „unrealistisch“.
„Ich bin ein ausgesprochener Elefanten-Fan.“ Der Mann, der das sagt, setzt sich mittelfristig für eine Abschaffung der Dickhäuter im Krefelder Zoo ein. „Die jetzige Situation ist zwar bedauerlich, aber es geht nicht darum, sie so schnell wie möglich zu ändern. Die Zoofreunde suchen nach einer mittelfristigen Lösung. Denn nur Qualität wird auf Dauer überleben“, sagt Rolf Herding, Vorsitzender der Krefelder Zoofreunde.
Träumen von einer großen Elefantenanlage, die mit Wuppertal oder Köln konkurrieren kann, erteilt er eine Absage. „Wir sind ein Landschaftszoo. Würden wir eine solche Anlage in den Zoo integrieren, wäre sein Charakter stark verändert. Das hätte nichts mehr mit einem Park zu tun“, sagt Herding und verweist auf die beton- und steinlastigen Anlagen anderer Zoos. Dennoch sei das Familienleben in einer Elefantenherde für Besucher spannend zu beobachten. „Dafür bräuchten wir allerdings eine Fläche außerhalb des Zoos. Und die finanziellen Mittel, einen solch teuren Bau zu erstellen. Beides haben wir in Krefeld nicht.“
Dickhäuterhaus
1977 ist das Großtierhaus als klassisches Dickhäuterhaus erbaut und eröffnet worden.
Die Außenanlage ist ebenfalls klassisch gestaltet. Die Tiere haben dort mehrere Baumstämme zur Beschäftigung. Ein Graben trennt die Besucher von den Elefanten.
2001 wurden vom „Beirat Artenschutz beim Bundesamt für Naturschutz“ neue Haltungsrichtlinien für Elefanten erarbeitet. Darin muss eine Außenanlage mindestens 3000 Quadratmeter groß sein (Krefeld hat 1200 qm²). Die Innenanlage sollte eine Freilauffläche von mindestens 200 Quadratmeter und Einzelboxen von jeweils 33 Quadratmeter pro Tier haben (Krefeld hat 390 qm² und keine Boxen). Die Tiere dürfen höchstens drei Stunden pro Tag angekettet werden( in Krefeld 15 Stunden). Es müssen mindestens vier Kühe gehalten werden (Krefeld hat drei). „Wir müssen das Problem jetzt anpacken, um später handeln zu können. Wir brauchen dringend eine weitsichtige Planung“, fordert Herding und zeigt sich enttäuscht von dem Verhalten vieler Politiker, die „eher an Wählerstimmen als an zukunftsorientierten Lösungen“ interessiert seien.
Es sei dringend notwendig, die Besucher an der Entwicklung teilhaben zu lassen. „Es ist doch positiv, wenn sich der Zoo um eine bessere Haltung der Elefanten bemüht. Das würden auch Besucher so sehen.“ Der „Imageschaden“ sei jedenfalls viel größer, wenn Krefelds Elefantehaltung weiter in Fachkreisen als Negativbeispiel genannt werde. „Viele Zoofreunde sind frustriert, weil so wenig offen diskutiert wird. Das bedaure ich zutiefst“, sagt der Vorsitzende. Einen Lichtblick sieht er jedoch: Das OB-Geschenk, der Aschenplatz, soll ab Herbst 2008 für eine Bebauung zur Verfügung stehen. Dann ginge es endlich mit dem Betriebshof weiter.
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