Krefeld: Elektro-Auto zum Strampeln
VON ANNETTE SCHEEPERS - zuletzt aktualisiert: 29.08.2009Krefeld (RPO). Jochen Melles ist einer von 900 Twike-Besitzern. Das wendige Leichtbau-Gefährt ist teuer in der Anschaffung, aber dafür kostensparend im Unterhalt. Außerdem ist es sehr umweltfreundlich, es hält fit, und es macht Spaß, damit zu fahren.
Was bietet Platz für vier Kisten Wasser und den Wochenendeinkauf, fährt 80 Kilometer pro Stunde, hält fit, ist absolut umweltfreundlich und hat "Tankkosten" von 100 Euro auf 15 000 Kilometern? Ein Twike. Dieses dreirädrige, aerodynamische Gefährt, das Platz für zwei Personen bietet, zirka 48 Kilogramm wiegt, knapp drei Meter lang und weniger als einen halben Meter breit ist, hat Jochen Melles noch während der Probefahrt überzeugt: "Für mich kam nichts anderes mehr in Frage." Der Inhaber des Bioladens "Vierspitz" an der Moerser Straße hat sich sein Twike vor einem Jahr gekauft.
Hier gibt es das Twike
Das Twike wurde iin der Schweiz erfunden und schafft in der dortigen Landschaft problemlos Steigungen bis zu 22 Prozent.
Pro Woche werden zwei Twikes gebaut; die Wartezeit beträgt etwa ein Jahr. Man kann sich die Bestandteile für sein Twike selbst zusammenstellen.
Wie beim Segelflugzeug
Der 50-Jährige erklärt, wie sein Fahrzeug, das er etwa alle 200 Kilometer mit Strom "auftanken" muss, funktioniert. Er klappt die gläserne Kuppel auf, die Dach, Tür und Windschutzscheibe zugleich ist – ähnlich wie bei einem Segelflugzeug – und lässt sich auf den schmalen Ledersitz gleiten. Mit der Kurbel in der Mitte, die wie ein Joystick aussieht, lenkt er. "An diesem Steuerknüppel befinden sich zwei Knöpfe. Mit dem einen gebe ich Gas, mit dem anderen bremse ich." Wobei "Gas" in diesem Fall Energie aus dem Akku bedeutet. Je nach Twike-Modell sind zwei bis fünf Batteriemodule eingebaut, die auch den Strom für Bordcomputer, Licht, Scheibenwischer, Blinker und Radio liefern.
Doch das Twike ist nicht einfach nur ein Elektro-Auto. Dort, wo andere Fahrzeuge Kupplung, Bremse und Gaspedal haben, befindet sich im Twike ein Pedalantrieb wie bei einem Fahrrad. Es verfügt auch über eine Gangschaltung und über eine "normale" Fahrrad-Rücktrittbremse. Als so genanntes "Human Power Hybrid" kombiniert das Twike Muskelkraft mit Elektroenergie. "Ideal", findet Melles, der mit dem Twike seinen täglichen Arbeitsweg von Rumeln-Kaldenhausen nach Krefeld zurücklegt. "Da ich meinen Strom über Greenpeace beziehe – das ist Sonnenenergie – bin ich zudem komplett schadstofffrei unterwegs." Auch für die Fahrten zum Großhändler in Coesfeld benutzt Melles sein Twike. "Es ist als Motorrad zugelassen, und ich darf damit auch auf der Autobahn fahren. Aber ich benutze eigentlich nur Landstraßen", sagt Melles, der eine weitere Eigenschaft ganz besonders schätzt: Das Fahrvergnügen.
"Es macht einfach riesigen Spaß, Twike zu fahren", sagt Melles, der für das Twike keine Steuern bezahlen muss. Lediglich eine Vollkasko-Versicherung hat er abgeschlossen. "Gerade im letzten Winter, als wir ja viel Eis und Schnee hatten, hatte ich mit meinem Twike nur Vorteile und kam schneller und sicherer vom Fleck als Autofahrer." Es gibt nur eine Sache, die Jochen Melles schade findet: Dass nicht mehr Menschen im Twike unterwegs sind.
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