Krefeld: Entführte Kinder noch in Jordanien
VON OTMAR SPROTHEN - zuletzt aktualisiert: 27.11.2008Krefeld (RPO). Schwere Anschuldigungen gegen ihren Ehemann, einen Krefelder Arzt, erhob die Mutter von Maryam (3) und Iman (5). Deren eigener Vater soll die Mädchen in Jordanien festhalten lassen. Dieser befindet sich inzwischen wegen Kindesentziehung in Untersuchungshaft.
In der gestrigen Strafverhandlung legte die Zeugin dar, wie ihr Mann die Familie unter dem Vorwand, seine kranke Mutter zu besuchen, in eine Stadt in der Nähe von Amman gelockt habe. In Jordanien habe ihr Mann sein anderes Gesicht gezeigt. Sie habe die Landestracht anlegen müssen und sei von ihm geschlagen und an den Haaren gezogen worden.
Als Familienmitglieder eingreifen wollten, habe ihr Mann dies verhindert. Einmal habe er sie mit einer Pistole bedroht, von deren Existenz sie nichts gewusst habe. Sie habe nichts mehr zu essen erhalten und sich trotz der Hitze nicht duschen dürfen. Ihr Mann habe ihr die Kinder entzogen und die beiden Mädchen gezwungen, ihre eigene Mutter mit üblen Ausdrücken zu beschimpfen und zu bespucken. Ihr sei verboten worden, das Telefon zu benutzen.
Da sei sie nach Krefeld geflüchtet und wandte sich an die Behörden, um das alleinige Sorgerecht für die Mädchen zu erhalten, die deutsche Staatsbürgerinnen sind. Als Grund für das Verhalten ihres Mannes gab die Frau an, er sei religiös fundamentalistisch und wolle nicht, dass seine Kinder unter Christen aufwachsen.
In Jordanien sei das Recht des Vaters, die Erziehung seiner Kinder zu bestimmen, besser geschützt. Die Verteidigung bezweifelte die Glaubwürdigkeit der Mutter. Am 12. Dezember wird weiterverhandelt. Bis dahin verbleibt der Angeklagte in U-Haft.
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