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Krefeld: Erinnerungszug mitgestalten

VON CARMEN PORSCHEN - zuletzt aktualisiert: 16.11.2010 - 12:00

Krefeld (RPO). Im März 2011 hält der Zug der Erinnerung drei Tage im Krefelder Hauptbahnhof. Das Krefelder Bündnis sucht Fotos und Dokumente von 33 NS-Opfern, die als Kinder deportiert wurden. Die Fotos werden in einem Waggon ausgestellt.

Der Zug der Erinnerung hält im Zeitraum vom 10. März bis zum 8. April 2011 in zwölf Städten. Die Ausstellung im Zug ist immer kostenfrei.   Foto: RPO
Der Zug der Erinnerung hält im Zeitraum vom 10. März bis zum 8. April 2011 in zwölf Städten. Die Ausstellung im Zug ist immer kostenfrei. Foto: RPO

Deportation – das bedeutete unter dem NS-Regime für Juden den sicheren Tod. Dass auch viele Kinder und Jugendliche dieses Schicksal erleiden mussten, damit beschäftigt sich der "Zug der Erinnerung", der vom 20. bis 22. März 2011 im Krefelder Hauptbahnhof Halt macht. "Damals wurden Kinder in Waggons zu den Konzentrationslagern gefahren. Um Bezug auf die damalige Zeit zu nehmen, fährt eine alte Dampflok", sagt Cornelius Schmidt, Pfarrer der altkatholischen Kirchen in Krefeld. In den Waggons erwartet Besucher eine Ausstellung mit Fotos von jungen Deportationsopfern.

Gegen Anonymisierung kämpfen

"Außerdem befassen wir uns mit der Spurensuche. Wir haben die Namen von 33 Kindern und Jugendlichen, die damals deportiert wurden. Nun fragen wir: Wer hat noch Fotos, wer kann Zeugnis von diesen Personen geben?" sagt Bernadette Kölker vom Bündnis für Toleranz und Demokratie. "Wir wollen die Kinder damit aus der Anonymität holen. Der Bezug zur Gegenwart wird hergestellt, indem wir natürlich das Anliegen haben ,Nie wieder'". Was in den nächsten Wochen zusammengetragen werden kann, wird in einem dritten Waggon ausgestellt. Gleichzeitig wollen die Vertreter des Krefelder Bündnisses, dem Kirchen, Parteien, Verbände und Gewerkschaften angehören, der dritten Generation den Zugang zum Thema NS-Zeit und Judenverfolgung erleichtern. "Wir nutzen die Chance, jetzt, wo noch die letzten Zeitzeugen greifbar sind. Für Schulklassen stellen wir zwei Tage zur Verfügung, an denen sie die Ausstellung besuchen können", sagt Kölker.

"Die 33 Namen sind eher symbolisch zu verstehen, denn die Liste ist nicht vollständig. Von vielen Opfern wurden die Spuren zu gut verwischt", sagt Ingrid Schupetta, Leiterin des Fördervereins "Zug der Erinnerung in Krefeld". Pfarrer Schmitz ergänzt: "Wir wollen Zahlen in Namen und Namen in Bilder verwandeln. Denn so bleiben sie am besten in Erinnerung."

Der Zugaufenthalt kostet etwa 15 000 Euro, Die Initiative freut sich über Spenden an Förderverein Villa Merländer, Sparkasse Krefeld, Konto 348250, Stichwort "Zug der Erinnerung". Hinweise oder Dokumente über die 33 Kinder an Ingrid Schupetta, Telefon 503553.

Info

Wer hat Hinweise?

Die Namen und damaligen Adressen der 33 deportierten Kinder und Jugendlichen: Ilse & Ruth Alexander, Rheinbabenstr. 106; Walter Bach, Luisenstr. 147; Günter Baum, Evang. Kirchstr. 12; Rudolf de Beer, Dießemer Str. 89; Sally Berger, Marktstr. 10; Manuela Bruckmann, Hubertusstr. 159; Sonja Cohen, Steckendorfer Str. 148; Eva & Rolf-Dieter Eichenwald, Dreikönigenstr. 16; Max Rudi Gimnicher, Petersstr. 9; Margit Goldschmidt, Goethestr. 85; Henriette Gottschalk, Breite Str. 5; Hans Grunewald, Neußer Str. 38; Gunter D. Hertz, Südwall 55; Kurt Hoffmann, Elisabethstr. 85; Walter Hoffmann, Wiedenhofstr. 46, Inge Kaufmann, Westwall 188; Eva-Berta Lilienfeld, Neußer Str. 38; Ellen Meyer, Südwall 55; Rudolf Moses, Germaniastr. 39; Albert Ferdinand Nathan, Breite Str. 32; Werner Pappenheimer, Königstr. 255; Hans Schaumburger, Inrather Str. 22; Helmuth und Rolf Schnall, Karlplatz 20; Egon Karl Steinhardt, Oelschlägerstr. 54; Bilba & Doris Steinweg, Südwall 11; Liesel Steinweg, Elisabethstr. 54; Gert Traub, Südwall 11; Kurt Weisner, Breite Str. 39; Walter Wolf, Neußer Str. 38.

Foto
Zwischen November 2007 und Mai 2008 fuhr der Zug der Erinnerung bereits durch Deutschland und Polen. Hier der damalige Halt in Oberbarmen. Foto: RPO
Quelle: RP

 
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