Krefeld: "Es gab schon seit Jahren Hilferufe"
zuletzt aktualisiert: 18.06.2010 - 11:23Krefeld (RPO). Mit Fassungslosigkeit und Kritik an der Verwaltungsspitze haben gestern die Ratspolitiker im Verwaltungsausschuss reagiert, als Stadtdirektorin Beate Zielke sie über das Ausmaß der Missstände im Fachbereich 21 für Finanzservice und Liegenschaften unterrichtete.
Auch sie selbst räumte ein, dass die ungeordneten Aktenberge, die man dort gefunden habe, "uns sehr erschrocken gemacht haben".
Sprecher aller Fraktionen fragten, was seit Mitte Mai 2009, als Oberbürgermeister Gregor Kathstede von der Fehlbuchung erfuhr und eine "intensive Prüfung" angeordnet habe, in dem Fachbereich eigentlich geprüft wurde. Es könne nicht sein, dass der neue Fachbereichsleiter, Peter Mertens, "innerhalb von einem Wochenende" Missstände aufdecke, die zuvor in einjähriger Prüfung nicht entdeckte worden seien, sagte SPD-Ratsherr Ulrich Hahnen.
CDU-Fraktionschef Wilfrid Fabel erklärte, dass die Kontrollmechanismen offenbar nicht gegriffen hätten, und forderte Überprüfungen auch in anderen Dezernaten: "Die Frage nach Schwachstellen in anderen Bereichen müssen wir uns auch stellen."
Für die Grünen sagte Stefanie Mälzer, es habe schon seit Jahren "Hilferufe" gegeben, in dem Fachbereich "qualifiziertes Personal" einzusetzen. Joachim C. Heitmann (FDP) sagte, die neuen Erkenntnisse verstärkten den Verdacht, "dass dieser Vorgang bewusst verschleppt worden ist, damit bestimmte Wahlen abgewartet werden".
Er forderte, dass auch das Verhalten von Krefelds Ex-Kämmerer Manfred Abrahams dienstrechtlich überprüft werde – "diesem oblag die Kontrolle dieses Fachbereichs". Abrahams war kurz vor Bekanntwerden der Fehlbuchung zum Kämmerer Düsseldorfs gewählt worden. Zu prüfen sei, ob Abrahams "sich etwas hat zuschulden kommen lassen", ob er den Fachbereich 21 nicht richtig organisiert und "Mitarbeiter ihrem Schicksal überlassen hat".
Für "Die Linke" forderte Basri Chakir den Rücktritt Kathstedes.
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