Krefeld: Eskalation zum Ende des Zugs
VON JOCHEN LENZEN - zuletzt aktualisiert: 17.02.2010Krefeld (RPO). Die Verantwortlichen zogen gestern Bilanz des Karnevalszuges: Demnach war es gegen Ende des Zuges am Friedrichsplatz verstärkt zu Schlägereien gekommen. Rolf Kox, Leiter des Rosenmontagszugs, zeigte sich entsetzt über die Eskalation.
"Was wir gestern zum Ende eines schön und problemlos verlaufenen Zugs auf der Sternstraße in Höhe der Gaststätte Centre Ville erleben mussten, ist einer Stadt wie Krefeld unwürdig und kann nicht mehr geduldet werden", zeigte sich Rolf Kox, Leiter des Rosenmontagszugs, entsetzt. "Die friedlichen Zuschauer wurden dort von einer Minderheit von einigen hundert Randalierern, die den Spaß an der ganzen Sache kaputt machten, regelrecht terrorisiert.
Die Fahrbahn bestand nicht mehr aus Asphalt, sondern aus einer geschlossenen Glasscherbendecke. Deshalb werden wir für das nächste Jahr ein Glasverbot beantragen", erklärte Kox bei der kritischen Nachbetrachtung des Zugs, bei der rund 20 Vertreter aller an Organisation und Ablauf beteiligten Institutionen mit sehr ernsten Mienen zusammensaßen.
"Es gab alle paar Minuten eine Schlägerei und Einsätze des Rettungsdiensts, so dass wir die Straße dort schließlich mit polizeilichen Mitteln räumen mussten", sagte Leitender Polizeidirektor Dagobert Allhorn. Und: "Wir haben den Fehler gemacht, nicht auch das Centre Ville zu räumen."
Mit seelischer Kälte Gewalt geübt
Die Polizei war am Rosenmontag mit 174 Kräften im Einsatz und musste insgesamt 40 Personen in Gewahrsam oder festnehmen. Zum Vergleich: In Düsseldorf nahmen 100 Polizisten 19 Personen fest. Die Gewaltbereitschaft unter den zur Randale bereiten Gruppen habe zugenommen, stellten Allhorn und der medizinische Leiter der kombinierten Rettungskräfte aus Feuerwehr, MHD und DRK, Dr. Ulrich Lenssen, fest.
"Es gab doppel so viele Widerstände wie im Vorjahr und mehr Verletzte, darunter vier Kollegen" so Allhorn weiter. "Erschreckender als die Quantität der Gewalt ist die seelische Kälte, mit der die Gewalttaten ausgeführt werden", beklagte Norbert Axnick vom Jugendamt. Ein Phänomen, das aber keineswegs auf den Karneval beschränkt sei.
Als Konsequenz beschloss die Versammlung, künftig frühzeitig zu reagieren und sich im Vorfeld besser zu vernetzen. Zu einem nächsten Treffen sollen deshalb – auch angesichts der Vorkommnisse in Verberg – die Leiter der anderen Züge in Krefeld eingeladen werden.
Der Zugweg hat sich nach Ansicht aller Beteiligten nicht nur bewährt: "Er ist besser geworden, weil wir nicht mehr über die enge und wenig bewohnte Hochstraße, sondern über Südwall und Breite Straße gezogen sin. Dort haben vor allem die Anlieger ausländischer Herkunft für richtig gute Stimmung gesorgt", so Kox. Wegen des massiven Andrangs soll die Sternstraße im nächsten Jahr auf mindestens 300 Meter "abgegittert" werden.
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