Krefeld: Fast 6500 leere Wohnungen
VON JOCHEN LENZEN - zuletzt aktualisiert: 01.02.2008Krefeld (RPO). Dringenden Handlungsbedarf sieht der „Runde Tisch Wohnungsmarkt“ angesichts der hohen Leerstandszahlen. Allein in der Innenstadt weist jedes dritte Gebäude mindestens eine leere Wohnung auf.
Von den 6434 leer stehenden Wohnungen in Krefeld standen 4125 (= 64 Prozent) im vergangenen Jahr länger als sechs Monate leer. Ein Drittel der leerstehenden Wohnungen liegt in der Innenstadt. Dort hat jedes dritte Wohngebäude mindestens eine leer stehende Wohnung. Diese unerfreulichen Zahlen präsentierte die Verwaltung jetzt dem Planungsausschuss aus dem „Runden Tisch Wohnungsmarkt“, der daraus einen „erheblichen Handlungsbedarf“ ableitet.
80 Prozent Einzeleigentümer
Der sei besonders auf die Klein- und Einzeleigentümer zu konzentrieren, die immerhin 80 Prozent der Wohnungen besitzen, damit diese renoviert werden könnten, sagte Jürgen Wettingfeld (CDU). Der „Runde Tisch“ hatte darauf hingewiesen, dass diese Eigentümer bei weitem nicht über die Markt- und Fachkenntnisse verfügen wie Wohnungsunternehmen, Verwalter und Bauträger, denen als Profis aber nur 20 Prozent des Wohnungsbestands gehören. Wünschenswert wäre es auch, wenn die Eigentumsquote, die in der Innenstadt lediglich unter zehn Prozent liegt, erhöht werden könnte. In Gesamt-Krefeld liegt diese Quote bei 32 Prozent und damit sieben Prozentpunkte unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt.
Der „Runde Tisch“
Seit 2003 Beobachtung des Wohnungsmarkts durch die Verwaltung.
2006 Einrichtung des „Runden Tischs Wohnungsmarkt“ mit sechs Fachbereichen der Verwaltung und Experten, die im Rahmen des Wohnungsbarometers jährlich ihre Meinung zum Krefelder marktgeschehen äußern.
Mitte 2006 bis Anfang 2007 Zehn Gesprächsrunden.
„Die Energiekostenentwicklung wird die Wohnkosten weiter erhöhen“, befand der „Runde Tisch“. Abhängig vom Alter des jeweiligen Gebäudes und dessen energietechnischem Zustand würden erhebliche Investitionskosten notwendig, um den Energieverbrauch zu senken. In vielen Fällen unterblieben diese Investitionen aber, weil sie sich in den späteren Mieten nicht amortisierten. Rudolf Brincks (Krefelder Kreis) wies auch auf die „immens hohen Nebenkosten“ hin, die beispielsweise auch durch den teuren Mannschaftstransport der Müllgefäße verursacht würden.
Rolf Rundmund (Grüne) bedankte sich für die informative Vorlage, die allerdings „mit Betroffenheit“ zur Kenntnis zu nehmen sei. Sie sei eine Ohrfeige für diejenigen, die die Vernachlässigung der Stadtplanung in den letzten 20 Jahren zu verantworten hätten. „Ich hoffe, dass diese Zahlen zu einem Umdenken in der Wohnungsbaupolitik führen, sonst können wir dieses Papier gleich in die Ablage stecken.“
Mehr Daten erheben
Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung, „den Kooperations- und Informationsprozess des Runden Tischs Wohnungsmarkt fortzusetzen und durch Datenerhebungen die Ursachen der Leerstände zu ermitteln“.
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