Krefeld: Fertig zum Flug in Tanzschuhen
VON HANS DIETER PESCHKEN - zuletzt aktualisiert: 05.12.2006Krefeld (RPO). Die Krefelder haben schon jetzt einen Vorgeschmack auf die Tanz-Produktion, die in Köln bald Premiere hat. Starke Bilder zeigt die Produktion „Flugsand, Spiel und Spurensuche“ in eindringlichen Momenten. Doch die Spannung ist nicht zu halten.
Die Premiere ist zwar erst im Februar in Köln. Aber auf der Heeder-Tanzbühne zeigte „YOLtanz“ aus der Domstadt schon mal im Rahmen der „move“-Reihe eine Vorpremiere der Choreographie „Flugsand, Spiel und Spurensuche“ von Suna Göncü.
„Über das Entstehen und Vergehen und das sich Wiederholende darin. Über das Aufeinandertreffen und das Auseinandergehen und die immer wieder leise gestellte Frage, nach dem, was bleibt“, so beschreibt die Choreographin ihre Intention zu dieser Produktion. Sie tanzt selber mit, an ihrer Seite sind Julia Riera und Marcelo Omine. Vor weißer Rückwand, die zugleich Projektionsfläche ist, und auf weißem Boden tritt das Trio auf, mal in weißer, mal in schwarzer Kleidung. Man tanzt spielerisch, sich mit Bewegungen neckend, und springt wie suchend in die Höhe.
Fliegend im Pas de vol de deux
Die Bewegungen von Omine werden auf der Rückwand von tanzenden Umrisslinien kommentiert, musikalisch knirscht und knistert es dazu. Während sich aus waagerechten Streifen auf der Rückwand kalligrafische Zeichen entwickeln, bewegt man sich davor wie schwingend und fliegend in einem „Pas de vol de deux.“ Man fliegt auch zu dritt oder liegt nahe beieinander, man schreitet vor und rückwärts wie in sakralen Handlungen. Wenn auf die Rückwand eine dunkel und fließende Textur projiziert wird, scheint die davor stehende Tänzerin mit diesem Hintergrund zu verschmelzen. Die Linien auf der vertikalen Fläche werden noch öfter eingesetzt, sie lösen sich auf, bewegen sich und fordern Aufmerksamkeit.
Das tänzerische Repertoire wird in wechselnden Varianten vorgeführt, ebenso tritt man in wechselnder Besetzung oder solistisch auf. Die Musik dazu (Rüdiger Bauschen, auch für das Video verantwortlich) ist rhythmisch und lärmig, oder auch minimal und esoterisch.
In ruhenden Posen gelingen starke Bilder, eindringliche Momente entstehen auch, wenn man kriecht oder sich wie in Zeitlupe bewegt. Eine homogene Ensembleleistung kann aber nicht verbergen, dass die choreographischen Ideen die Spannung nicht immer halten können. Dazu sind die häufigen „Flugversuche“ und die Schwimmbewegungen doch zu unverbindlich, ihre innovative Kraft ist nicht so stark, dass sie sich nicht bald abnutzt.
Von den Literaten Hermann Hesse und Rainer Maria Rilke soll diese Produktion inspiriert sein, was für eine gute Absicht spricht. Die ist auch allen Mitwirkenden von „YOLtanz“ nicht abzusprechen, so dass es am Ende zu entsprechendem Beifall kommt.
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