Krefeld: Feuerwehr fehlen Leute
VON VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 07.12.2006Krefeld (RPO). Eine neue EU-Richtlinie begrenzt die wöchentliche Arbeitszeit für Feuerwehrleute auf 48 Stunden. Die Folgen für Krefeld sind dramatisch: 30 Mitarbeiter fehlen, Mehrkosten von 1,2 Millionen Euro entstehen.
Um die Sicherheit für Krefeld zu gewährleisten, wird Stadtdirektorin Beate Zielke den rund 200 hauptberuflichen Krefelder Feuerwehrleuten ab 1. Januar Mehrarbeit verordnen müssen – wenn nicht doch noch ein Wunder geschieht. Zielke ist sich aber sicher, dass das ausbleibt.
Warum sollen Krefelds Feuerwehrleute plötzlich mehr arbeiten? So widersinnig es klingt: Weil sie weniger arbeiten müssen. Nach einer neuen Richtlinie der Europäischen Union muss die Wochenarbeitszeit der Feuerwehrleute von bisher 54 Stunden auf 48 Stunden gesenkt werden.
Das Land NRW hat das neue EU-Recht Anfang September in die „Verordnung über die Arbeitszeit der Beamtinnen und Beamten des feuerwehrtechnischen Dienstes im Lande Nordrhein-Westfalen“ gegossen. Die tritt zum 1. Januar in Kraft. „Rein rechnerisch fehlen uns dann in Krefeld auf einen Schlag 30 hauptamtliche Feuerwehrleute“, rechnet Zielke vor.
Arbeitszeiten
Bisher Für die Feuerwehrleute, die in verschiedenen Schichten rund um die Uhr (Bereitschafts-)Dienst haben, gilt eine Arbeitszeit von 54 Stunden.
Künftig Nach dem neuen EU-Recht soll die Arbeitszeit auf 48 Stunden reduziert werden.
Das Leid des Kämmerers
Die EU-Regelung dürfte auch dem Kämmerer keine Freude bereiten. Zielke gibt die Mehrkosten für 30 hauptberufliche Feuerwehrleute mit 1,2 Millionen Euro jährlich an. Ihr Problem: Selbst wenn sie die Stellen hätte, würde sie die Leute gar nicht bekommen. Denn nicht nur Krefeld braucht Feuerwehrleute, sondern alle Städte und Kreise in NRW sind jetzt hektisch auf der Suche. Alle hatten gehofft, dass unter der finnischen Ratspräsidentschaft die EU-Richtlinie noch gekippt würde – vergeblich. „Zum 1. Januar werden in Nordrhein-Westfalen 1200 fertig ausgebildete Feuerwehrleute fehlen“, weiß Zielke. „Es kann ja nicht sein, dass sich die Städte nun gegenseitig die Feuerwehrleute abwerben.“ Zumal das Grundproblem mindestens die nächsten drei Jahre bestehen bleibe – so lange dauert die Ausbildung zum Feuerwehrmann.
Eine Lösung könnte die so genannte Opting-Out-Regelung sein, die in Großbritannien bereits erfolgreich angewendet wird. Die funktioniert so: Es werden keine zusätzlichen Feuerwehrleute eingestellt, stattdessen arbeiten die vorhandenen Kräfte freiwillig länger. Zusatzschichten werden extra vergütet.
In dieser Woche werden die Feuerwehrleute in Krefeld befragt, ob sie bereit wären, freiwillig länger zu arbeiten. Zielke geht davon aus, dass rund 90 Prozent dem zustimmen würden. „Denkbar wäre eine Brutto-Vergütung von 20 Euro pro Schicht.“ Allerdings zurzeit nur theoretisch. Denn die Landesverordnung erlaubt eine Bezahlung nicht. Zielke hofft auf eine Ausnahme-Regelung für die nächsten drei bis sechs Jahre. „Könnten wir Opting-Out anwenden, würde das den Etat nur mit rund 400 000 Euro pro Jahr belasten.“ Zielke weiß: Sie kann nur für kurze Zeit anordnen, mehr zu arbeiten. Und danach wäre die Sicherheit in Krefeld nicht mehr gewährleistet.
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