Ist der Nutzungsgrad des geplanten Kraftwerks ausreichend? Trianel:
"Der Nutzungsgrad des Kraftwerks erreicht in Kraft-Wärme-Kopplung 57%.
Dies ist – über das Jahr gesehen – der höchste Nutzungsgrad, aller zurzeit in
Planung befindlichen großen Kohlekraftwerke. Eine weitere Erhöhung des
Nutzungsgrades ist möglich, wenn zusätzliche Wärmekunden im Umfeld
gewonnen werden können. Trianel ist bereit, im Rahmen der technischen
Möglichkeiten weitere Wärmenutzer an das Kraftwerk anzuschließen."
Können wir Chemieparkpartner zur Abnahme von Strom und Dampf aus
dem neuen Kraftwerk verpflichten?
Trianel: "Es ist der Geschäftszweck der BIS, alle im CHEMPARK angesiedelten
Betriebe mit Dampf und Strom zu versorgen. Bis heute erreichen wir eine
100%ige Versorgung aller Firmen in unserem Gelände durch
wettbewerbsfähige Preise. Das neue Kohlekraftwerk wird uns dieses auch in
Zukunft ermöglichen. Gleichzeitig trägt es zur Vermeidung separater Lösungen für einzelne Betriebe bei, die ökologisch wenig sinnvoll wären. Eine
Abnahmeverpflichtung ist aus gesetzlichen Gründen nicht möglich. Sie selbst
erleben ja gerade heute für Ihren Haushalt die Aufforderung der
Verbraucherzentralen und der Bundesregierung den lokalen Stromanbieter zu
kündigen und zu einem günstigeren Stromlieferanten zu wechseln.
Warum sagt die BIS nicht die Stilllegung der Altanlagen verbindlich zu?
Trianel: "Die beiden alten Kohlekessel werden mit Inbetriebnahme der Neuanlage weit
über 50 Jahre alt sein. Der Stadt liegt ein unabhängiges Gutachten des TÜV
vor, in dem festgestellt wird, dass diese Kessel dann altersbedingt nicht mehr
wirtschaftlich zu betreiben sind. Aus diesem Grund suchen wir zur
Sicherstellung der Dampfversorgung des Standortes nach einer Ersatzlösung
für diese beiden Kessel.
Eine verbindliche Zusage, die Altanlagen stillzulegen, ist jedoch leider aus
kartellrechtlichen Gründen nicht zulässig."
Gibt es Alternativen? Trianel: "Im Vorfeld des Projekts haben wir zahlreiche Alternativen geprüft und nach
den Kriterien Versorgungssicherheit, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit
bewertet. Wir sind der Überzeugung, dass dieses Projekt die einzige Möglichkeit ist, allen 3 Kriterien Rechnung zu tragen."
Welche Vorteile bietet das Projekt für die Krefelder Wirtschaft? Trianel: "Das Kraftwerk ist mit einer Investitionssumme von mehr als 1 Mrd € eine der
größten Investitionen in der Geschichte der Stadt Krefeld. Ein großer Teil
dieser Investition wird mit mittelständischen Unternehmen der Region
abgewickelt. Während der 5-jährigen Bauzeit werden bis zu 1500 Personen
auf der Baustelle arbeiten, die zum Wirtschaftswachstum der Region beitragen
werden. Nach Inbetriebnahme werden alleine in die Instandhaltung des
Kraftwerks jährlich 25 bis 30 Mio € investiert. Nach den Erfahrungen mit
unseren heutigen Kraftwerken verbleiben von dieser Summe ca. 50% bei
regionalen, mittelständischen Unternehmen."
Wie beeinflusst das neue Kraftwerk die Strompreise in Krefeld? Trianel: "Die Stromerzeugung liegt heute in Deutschland in der Hand von 4 großen
Unternehmen. Der Aufbau von Stromerzeugungskapazität bei unabhängigen
kommunalen Stadtwerken (Trianel) ist ein dringend erforderlicher Schritt hin zu
mehr Wettbewerb. Ein verbesserter Wettbewerb unter den Stromanbietern
wird erfahrungsgemäß strompreissenkend wirken."
Kommt die CO2-Abscheidung (CCS)?
Trianel: "Die Bundesregierung hat in den letzten Tagen ein sehr ehrgeiziges
Klimaprogramm beschlossen. Einen wichtigen Teil dieses Programms macht
die Realisierung neuer hocheffizienter Kohlekraftwerke aus, die alte
Kraftwerke mit schlechteren Wirkungsgraden vom Markt verdrängen werden.
Außerdem wird die Entwicklung einer CO2-Abscheidetechnik (CCS) massiv
gefördert. Erste Versuchsanlagen sind bereits angekündigt, so dass wir davon
ausgehen, dass diese Technik etwa ab 2020 zur kommerziellen Nutzung zur
Verfügung stehen wird. Das Kraftwerk wird so vorbereitet, dass dann eine
Nachrüstung einer CO2-Abscheidung möglich ist."
Werden beim Einsatz von Importkohle die sozialen Verhältnisse in den
Förderländern berücksichtigt? Trianel: "Aus Ländern wie China, in denen die Kohle überwiegend aus Bergwerken mit
lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen stammt, wird keine Kohle nach
Deutschland importiert. Europa wird auf dem Seeweg überwiegend von
Kolumbien, Indonesien und Südafrika mit Steinkohle versorgt. Alle diese
Länder haben gemeinsam, dass die Steinkohle hauptsächlich im Tagebau
gewonnen wird. Diese fortschrittliche Technik, und nicht die niedrigeren
Sicherheitsstandards erklärt die niedrigeren Kosten. Die Umweltauflagen sind
in diesen Ländern in den letzten Jahren stark verbessert worden.
Selbstverständlich wird das Kraftwerk auch in der Lage sein, einheimische
Steinkohle zu verbrennen, soweit diese zur Verfügung steht."
In welcher Form wird die SWK an dem neuen Kraftwerk beteiligt? Trianel: "Die Stadtwerke Krefeld haben in Abstimmung mit ihrem Aufsichtsrat beschlossen in der Zukunft ca. 150 MW Stromerzeugungskapazität zu
erwerben. Zwei Kraftwerksscheiben (20 MW und 25 MW) wurden bereits mit
Genehmigung des Aufsichtsrates erworben, davon eine Kohlescheibe von
einem Kraftwerk in Hamm mit deutlich schlechterem Wirkungsgrad. Die SWK
sind daran interessiert, von dem Kraftwerk in Krefeld die noch fehlende
Scheibe von ca. 100 MW zu erwerben. Trianel hat diese Scheibe den
Stadtwerken angeboten."
Wird die weitere Entwicklung von Krefeld, insbesondere des Hafens,
durch Feinstaubemissionen behindert?
Trianel: "Der Kohleumschlag wird gekapselt vom Schiff bis zum eingehausten
Lagerplatz am Kraftwerk durchgeführt. Weiterhin wird derzeit untersucht, ob
die Schiffe nördlich der jetzigen Kaianlagen am CHEMPARK entladen werden
können. Dies führt zu keinerlei Belastungen des Hafens und Uerdingens bei
gleichzeitiger wirtschaftlicher Beteiligung Krefelds über das Ufergeld. Die
Staub-Belastung aus dem gesamten Kraftwerk und der Nebenanlagen wird für
die Umgebung selbst im ungünstigsten Fall unterhalb der Nachweisgrenze
liegen.