Krefeld: Gärtnern nach dem Mondkalender
VON OTMAR SPROTHEN - zuletzt aktualisiert: 02.02.2010Krefeld (RPO). Der Stadtverband Krefeld der Kleingärtner bietet eine Fortbildung zum Gärtnern nach den Phasen des Erdtrabanten an. Geht es um dessen Macht, stehen sich allerdings Skeptiker und Mondgläubige gegenüber.
Nordwestbezirk Es sind überwiegend Männer, die der ersten Sitzung einer sechsteiligen Fortbildungsreihe in den Gartenbauverein Nord-West gekommen sind, an deren Ende die Prüfung zum Gartenbauberater steht. Das Thema, das sich der Stadtverbandsvorsitzende der Krefelder Gartenbauvereine, Dieter Lundström, vorgenommen hat, ist kein typisch männliches: Gärtnern mit dem Mond.
Hobbygärtner Manfred Böhm ist neugierig: "Ich will bei diesem Thema mitreden. Wir hatten mal einen im Verein, der hat das jahrelang praktiziert." Haare schneiden, Holz schlagen, aussäen, beschneiden, ernten: Abgestimmt auf die Mondphasen soll dies besser gehen – heißt es zumindest in Mondkalendern. Diese Ratgeber haben sich in den letzten Jahren als wahre Bestseller entpuppt. Fans schwören auf ein Leben nach den Mondphasen. Kritiker merken an, dass den Mondregeln jede wissenschaftliche Grundlage fehlt.
Wissenschaftlicher Beweis fehlt
Lundström hat vorteilhafte praktische Erfahrungen mit dem Mondgärtnern gemacht, aber er schränkt ein: "Eine Reihe von Mondkalendern halte ich für den größten Schund. Es ist eine Überspitzung, wenn ein Kalender behauptet, dass die Möhre um Dienstagmorgen in aller Frühe eingepflanzt werden soll". Für die Anhänger des Mondgärtnerns hängt das Wachstum der Pflanzen nicht allein von Licht, Temperatur, Feuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit ab, sondern auch von den Mondphasen und dem Zusammenspiel von Pflanzen, Mond und Tierkreiszeichen.
Während der 27,3 Tage, die der Mond für eine Umrundung der Erde benötigt, nähert er sich auch den zwölf Tierkreiszeichen. Jeweils drei dieser Zeichen werden mit einem der Elemente in Verbindung gebracht. Diesen vier Elementen ordnen Mondgärtner bestimmte Pflanzen zu; die dann am besten gedeihen, wenn der Mond durch eines dieser Tierkreiszeichen wandert. Bei abnehmendem Mond ziehen sich die Kräfte der Pflanze in die Erde zurück. Da sich die Säfte im Wurzelbereich befinden, können Bäume und Sträucher geschnitten werden. Bei zunehmendem Mond erhält das oberirdische Wachstum der Pflanzen Impulse, da die Säfte nach oben steigen. Blatt-, Frucht- oder Blütenpflanzen können jetzt ausgesät, gepflanzt oder nachgesät werden.
Untersuchungen an der Universität der norditalienischen Stadt Padua bestätigen, dass Pflanzen auf Vollmond mit einem Wachstumsschub reagieren. Agrarwissenschaftler , die nach einem Zusammenhang zwischen dem Stand des Mondes in den Tierkreiszeichen und dem Wachstum der Pflanzen suchten, konnten diesen nicht nachweisen. – Mond-Gläubige und Skeptiker werden sich weiter gegenüberstehen.
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