Krefeld: Geheimsache Anmeldezahlen
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 22.02.2011 - 12:06Krefeld (RPO). Den Krefelder Schulleitern von Gymnasien liegen seit Montag erste Anmeldezahlen für weiterführende Schulen vor. Obwohl die Zahlen intern bekannt sind, bleiben sie bis März unter Verschluss – denn die Zahlen könnten Aufschluss darüber geben, welche Schule im Bestand gefährdet ist.
Rund 2100 Schüler werden in Krefeld dieses Jahr auf eine weiterführende Schule wechseln. Seit dem Wochenende ist intern bekannt, wie viele Schüler sich in der ersten Anmeldephase an welcher Schule angemeldet haben. Diese Zahlen liefern klaren Aufschluss darüber, wie populär welche Schule in Krefeld ist. Noch macht die Stadt die Zahlen allerdings nicht öffentlich, obwohl sie den Schulleitern bekannt sind und intern heiß diskutiert werden. Schulschließungen drohen, da kann jeder statistische Einbruch folgenschwer sein.
Wir erklären die Hintergründe des Verfahrens:
Warum ist die Anmeldezahl nicht identisch mit der Zahl der tatsächlichen Fünftklässler einer Schule?
Bisher ist nur die erste Anmeldephase abgeschlossen, bei der ein Großteil der neuen Fünftklässler bereits an Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen sowie den Gesamtschulen angemeldet wurde. Nach diesem ersten Anmeldezeitraum entscheiden nur (!) die Gesamtschulen rechtzeitig vor einem zweiten Anmeldetermin der anderen Schulformen (im März) über die Aufnahme der angemeldeten Kinder. Für drei der vier Gesamtschulen – nur Montessori fehlt – liegen schon Zahlen vor: 604 Schüler meldeten sich bisher an Gesamtschulen an (Vorjahr 648). Nicht alle Schüler werden aber einen Platz bekommen. Ein Teil der Schüler wird auf andere Schulformen verteilt. Erst danach besteht für den Bereich der städtischen Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien eine zweite, dem ersten Termin gleichberechtigte Anmeldemöglichkeit.
Was passiert nach der zweiten Phase?
Wenn alle Anmeldezahlen endgültig vorliegen, beginnt die Steuerungsarbeit. Die Verwaltung gleicht jetzt die Anmeldungen ab. Die Schüler werden dann so auf die Schulen verteilt, dass die Klassen nicht zu klein oder zu groß werden.
Dürfen Eltern die Schule frei wählen?
Die Eltern von künftigen Hauptschülern, Realschülern und Gymnasiasten können sich auf einen Schulträger festlegen. Nur bei der Gesamtschule gibt es keinen Aufnahmeanspruch. Nicht wählbar ist für die Eltern allerdings die spezielle Schule einer Schulform. Die Schüler sollen allerdings nach Ansicht der Stadt in eine Schule „zumutbarer Entfernung“ überwiesen werden.
Wie gehen die Schulleiter mit den Anmeldezahlen um?
Nur die seit dem Wochenende bekannten Anmeldezahlen – ohne die später erfolgende Umverteilung – liefern Aufschluss über die Popularität von Schulen. Alljährlich stehen die Schulleiter deshalb vor dem Dilemma, dass sie im Falle guter Zahlen die Ergebnisse kommunizieren wollen (so auch gestern). Dagegen steht die Abmachung, die Zahlen geheim zu halten. Dagegen regt sich stetig Kritik: So kritisierten einzelne Schulleiter schon 2010, dass zwar die Zahlen nach der „Umverteilung“ veröffentlicht würden, nicht aber die Anmeldezahlen nach der ersten Phase. Auch am Montag kursierten die Zahlen im halböffentlichen Raum. Offiziell nach außen drangen sie nicht. Schulverwaltung und Schulleiter sind in Sorge, dass die Zahlen Einfluss auf das Wahlverhalten von Eltern hätten, die ihr Kind noch nicht angemeldet haben.
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