Krefeld: Gesundheitssparte boomt
VON JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 07.05.2012Krefeld (RP). Der Krefelder Arbeitsmarkt verändert sich – positives Zeichen eines Strukturwandels. Besonders das Gesundheitswesen schafft zukunftsfeste Jobs.
Unabhängig von leicht ansteigenden Arbeitslosenzahlen macht der Arbeitsmarkt in Krefeld einen Strukturwandel hin zu mehr und neuen Jobs durch. Vor allem das Gesundheitswesen wird am Niederrhein und in Krefeld immer wichtiger als Zukunftsbranche. Allein in diesem Bereich ist zwischen 2009 und 2011 die Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten in Krefeld um 14,8 Prozent angestiegen. Dies teilte jetzt der DGB mit. Auch die Hochschule Niederrhein (HN) verzeichnet Wachstum in dieser Sparte: Eine Studie über Zu- und Abwanderung von Fachkräften kommt zu dem Ergebnis, dass Zuwanderung an den Niederrhein gerade im Gesundheitsbereich stattfindet.
These vom schlechten Ruf ist falsch
"Es gilt schon als Abwanderung, wenn ein Absolvent nach Düsseldorf geht. Insofern betrifft diese Zuwanderung wirklich Krefeld und den Niederrhein im engeren Sinne", betonte HN-Sprecher Christian Sonntag auf Anfrage unserer Zeitung, "die These, dass der Niederrhein einen schlechten Ruf hat, stimmt also nicht: Wenn gute Berufsperspektiven da sind, kommen auch Fachkräfte." In Zahlen: 24 Prozent der Studenten im Gesundheitswesen stammen aus der Region; aber 32,2 Prozent der Absolventen bleiben hier – das entspricht einem "Brain Gain" (Fachjargon für die Zuwanderung von Fachkräften) von plus 8,2 Prozent. Nur noch der Bereich Sozialwesen weist mit plus 11,8 Prozent eine bessere Kennzahl aus.
Der DGB Krefeld hat bei der Analyse von Trends auf dem Krefelder Arbeitsmarkt Zunahmen vor allem bei Freiberuflern, bei der Leiharbeit und an dritter Stelle im Gesundheitswesen ausgemacht. Die IHK bewertet diese Trends als "Ausdruck eines funktionierenden strukturellen Wandels" und als Beleg für die Innovationskraft der Wirtschaft. Dieter Porschen, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein: "Im Gesundheits- und Sozialwesen ist die Entwicklung primär demografisch bedingt, da unsere Gesellschaft zunehmend altert und somit ein Mehr an Pflege- und Sozialdiensten erfordert." Das bedeutet auch, dass die Stellen in diesem Bereich nachhaltig Bestand haben.
Nach IHK-Angaben ist die Gesundheitsbranche schon jetzt die größte Branche überhaupt am Niederrhein. Von rund 360 000 Beschäftigten im Kammerbezirk (Krefeld, Neuss, Viersen, Mönchengladbach, Stand 2010) arbeiteten 60 000 im Gesundheitswesen, davon 16 000 in Krankenhäusern, 11200 in Heimen, 8500 in Arztpraxen, 3300 im medizinischen Großhandel und 2500 in der medizintechnischen Industrie.
Leiharbeit umstritten
Die Kritik des DGB an der Zunahme an Leiharbeit weist Porschen zurück, insbesondere den Verdacht, Unternehmen würden gezielt den Anteil an Leiharbeit dauerhaft hochschrauben. Eine Umfrage der IHK aus dem Jahr 2011 habe ergeben, dass 90 Prozent der Unternehmen auf den Einsatz von Zeitarbeitskräften zurückgriffen, um schneller auf Nachfrageentwicklungen reagieren zu können. Zu 36 Prozent stellten sie Zeitarbeitskräfte mit dem Ziel ein, daraus feste Arbeitsverhältnisse entstehen zu lassen. "Zeitarbeit bedeutet demnach eine echte Chance für Arbeitslose", betont Porschen, "Deutschland profitiert von der Weltwirtschaft. Auf Veränderungen auf internationalen Märkten müssen unsere Unternehmen reagieren können".
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