Holzmarkt brennt ab - Rätsel um Ursache: Großbrand in Krefeld: Feuer ist unter Kontrolle
VON M. VAN DER PÜTTEN UND S. PETERS - zuletzt aktualisiert: 11.07.2012 - 09:26Krefeld (RPO). Erst in der Nacht zu Mittwoch hat die Feuerwehr die Flammen unter Kontrolle gebracht: Nach dem Großbrand in Krefeld rätseln Polizei, Feuerwehr und die Inhaber des Holzgroßhandels über die Ursache. Am Brandherd herrscht so große Hitze, dass Experten ihn erst in ein bis zwei Tagen betreten können.
Nach dem Großbrand eines Holzlagers in Krefeld hat die Feuerwehr in der Nacht zum Mittwoch die Flammen unter Kontrolle gebracht. Etwa zehn Feuerwehrleute seien als Brandwache noch vor Ort, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Mittwochmorgen. Sie seien dafür da, Glutnester zu löschen und sicherzustellen, dass das Feuer nicht wieder aufflamme. Im Laufe der Nacht waren die Feuerwehrleute aus den umliegenden Städten, die zur Verstärkung angetreten waren, abgerückt.
Das Feuer, das am Montagabend in dem Holzfachmarkt ausgebrochen war, hatte auf mehrere Handwerksbetriebe übergegriffen und einen Millionenschaden angerichtet. Nun beginnt die Suche nach den Ursachen.
An einen technischen Defekt mag Franz-Martin Roeren kaum glauben. Erst vor 14 Tagen sei die komplette elektrische Anlage vom TÜV ohne Beanstandung überprüft worden, erklärte der Seniorchef des Holzgroßhandels am Dienstag im RP-Gespräch.
Die Brandschutzauflagen seien jährlich in bei einer Begehung in Augenschein genommen worden. „Wir haben das alles sehr genau genommen“, versichert Roeren. Vieles habe Bestandsschutz genossen, bei Neubauten wären sicherlich andere Bestimmungen einzuhalten gewesen, berichtet er weiter.
Das Feuer in dem Holzgroßhandel im Gewerbegebiet an der Mevissenstraße war am Montagabend gegen 20 Uhr ausgebrochen. Das Gebäude und weitere Handwerksbetriebe brannten aus. Die Flammen schlugen bis zu 20 Meter hoch, eine Rauchwolke war kilometerweit zu sehen. Mehr als 100 Feuerwehrleute waren noch am Dienstag mit den Löscharbeiten beschäftigt. Offenbar gab es zu Beginn des Einsatzes massive Probleme.
Defekter Hydrant verzögerte Löscharbeiten
Wie die Feuerwehr inzwischen bestätigt hat, war ein Hydrant auf dem Gelände des abgebrannten Holzgroßhandels defekt. Dadurch sei es zu Verzögerungen bei den Löscharbeiten gekommen. Das Wasser musste teilweise zwei Kilometer weit hergeleitet werden.
Der Juniorchef des Holzhandels, Matthias Roeren, hatte am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion kritisiert: "Es funktionierte kein Hydrant, das ist unglaublich. Das hätte nicht passieren müssen." Nachdem kein Hydrant auf dem Betriebsgelände zu öffnen gewesen sei, habe die Feuerwehr erst nach einer dreiviertel Stunde mit dem Löschen beginnen können.
"Dass der Hydrant defekt war, ist richtig", bestätigte Feuerwehrsprecher Kai Günther unserer Redaktion. Er meint damit den Wasserspender auf dem Firmengelände der Holzgroßhandlung. "Das hatte zur Folge, dass es länger gedauert hat, ehe wir mit den Löscharbeiten beginnen konnten", so der Sprecher.
Allerdings sei es in Bezug auf die Brandbekämpfung unerheblich gewesen, da die Holzhandlung bereits beim Eintreffen der Feuerwehr in einer sehr großen Ausdehnung gebrannt habe. "Wir hatten eigentlich von Anfang an keine Chance", sagte der Sprecher.
Stattdessen musste die Feuerwehr andere Hydranten anzapfen. Das Löschwasser sei teilweise zwei Kilometer weit hergeleitet worden. Der Sprecher machte zudem klar: "Die Feuerwehr hat mit der Wartung der Hydranten nichts zu tun. Das obliegt entweder den Stadtwerken oder dem jeweiligen Betrieb."
Innerhalb der Behörden in Krefeld werden sich inzwischen die Verantwortlichkeiten für den Zustand der Hydranten zugeschoben. Aus Sicht von Feuerwehrchef Josef Dohmen sind die Stadtwerke für die Pflege und Wartung verantwortlich. Ein Sprecher der Stadtverwaltung wies unterdessen dem Unternehmen Holz Roeren die Verantwortung für die Funktionalität zu. Die Stadtwerke betonten, dass sie zwar für die unterirdischen Hydranten am Trinkwassersystem verantwortlich seien, nicht aber für die einzelnen roten überirdischen Hydranten.
Hunderte Feuerwehrleute im Einsatz
Noch am Dienstag waren die Löscharbeiten der Feuerwehr immer noch in vollem Gange. Zum einen versuchte die Feuerwehr, ein weiteres Übergreifen des Feuers auf den benachbarten Gewerbepark Englische Kaserne zu verhindern. Die Zwischendecke einer Lagerhalle brannte bereits. Zum anderen gelang es der Feuerwehr nur mühsam, in einem verwinkelten Handwerkerhof die letzten Brandherde zu erreichen.
Auch in den völlig zerstörten Ruinen des Holzgroßhandels loderten am Dienstag immer wieder die Flammen auf. Weißer Rauch steigt immer noch über der Unglückstelle in den Himmel. Ein Helikopter kreiste über dem Gewerbegebiet, um sich ein Bild von den Ausmaßen des Feuers zu machen.
Auf einer Fläche von 60 mal 30 Metern sei ein "riesiges Trümmerfeld", sagte ein Sprecher der Feuerwehr Krefeld. Das Übergreifen der Flammen auf ein großes Warenhaus konnte zwar verhindert werden, allerdings soll das Löschwasser dort erhebliche Schäden verursacht haben. Die Krefelder Feuerwehr hatte Großalarm ausgelöst und erhielt Verstärkung aus der gesamten Region und dem Ruhrgebiet.
Das Feuer war am Montagabend gegen 20 Uhr im Lagergebäude der Holzhandlung ausgebrochen, gegen 20.30 Uhr stand die Hauptverwaltung des Unternehmens bereits in Flammen. Das Feuer griff nach ersten Erkenntnissen der Polizei sehr schnell um sich. Ein benachbarter Supermarkt musste evakuiert werden.
Mitarbeiter und Kunden mussten den Supermarkt verlassen und wurden in die Eissporthalle gebracht. Die Zustände waren laut Augenzeugen chaotisch: Menschen suchten nach ihren Angehörigen, von denen sie getrennt worden waren. Glücklicherweise wurde kein Mensch verletzt, der Sachschaden allerdings soll mehrere Millionen Euro betragen.
Ein Feuerwehrmann verletzt
Die ganze Nacht hindurch waren mehr als 100 Brandbekämpfer im Einsatz, auch am Dienstagvormittag waren noch fast 100 Kräfte nötig, um die Flammen unter Kontrolle zu halten. Weil größtenteils Holz verbrannt sei und der Rauch steil nach oben stieg, sei die Bevölkerung durch den Brandrauch nicht in Gefahr gewesen. Ein Feuerwehrmann wurde beim Einsatz am Auge verletzt.
"Ich habe noch nie so hohe Flammen gesehen", bekannte ein Polizeisprecher. Eine gewaltige Feuerwalze habe die Rettungskräfte zunächst zurückgedrängt. Dächer von Gebäuden müssten noch geöffnet werden, um Brandnester bekämpfen zu können, sagte ein Feuerwehrsprecher.






dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.