Krefeld: "Gute Architektur polarisiert"
VON HANS DIETER PESCHKEN - zuletzt aktualisiert: 25.06.2010Krefeld (RPO). Zum Tag der Architektur sind morgen und Sonntag sechs Gebäude für Besucher geöffnet. Architekt Schröter erklärt, was Gestaltung bedeutet. Und dass man notfalls abreißen müsse – etwa zwischen Behnisch-Haus und Rheinstraße.
Gute Architektur ist auch immer ein außergewöhnliches Objekt – und polarisiert, wie das Behnisch-Haus. "Ein richtiges Gebäude am richtigen Ort", sagt der Architekt Oliver Schröter. Nur das Umfeld müsse verändert werden. Besser wäre es noch, wenn vor dem Nordende des Gebäudes eine Öffnung zur Rheinstraße entstünde. Dazu könnte sich Schröter den Abriss der Bebauung vorstellen, um einen zentralen Platz zu schaffen: "Wenn man das möchte, geht das, man könnte die Eigentümer abfinden."
Morgen und Sonntag ist in Nordrhein-Westfalen der "Tag der Architektur". Neue und modernisierte Bauwerke öffnen dann ihre Türen für Besichtigungen. In Krefeld sind sechs Objekte zu besichtigen, die die Architektenkammer für passend zum Motto "Horizonte" befunden hat. Zum Tag der Architektur haben wir einen Experten nach den Qualitätsmaßstäben für die Gestaltung von Gebäuden gefragt.
Der Architekt
Oliver Schröter (45), in Krefeld geboren, absolvierte erst eine Tischlerlehre, bevor er in München Architektur studierte.
Der Diplomingenieur ist Vorsitzender im Gestaltungsbeirat der Stadt Krefeld und baut sowohl für private und auch für öffentliche Bauherren.
Oft, so sagt Schröter, wird auch mit wenig Fingerspitzengefühl umgebaut. Auch der Pflegezustand mancher Häuser in der City lasse zu wünschen übrig: "Sie werden sichtbar stiefmütterlich behandelt." Als Beispiel nennt er das Stadthaus, einst von Egon Eiermann für die Verseidag gebaut, eine denkmalgeschützte Architektur von historischer Bedeutung für die Samt- und Seidenstadt Krefeld: "Da wünschte ich mir mehr Bewahrung."
City-Häuser sind vernachlässigt
Gute Architektur hat eine äußere und innere Form, weist entsprechende Proportionen auf, die der angestrebten Funktion zugehören. "Form follows function", dieser Anspruch des Bauhauses ist einer der möglichen Ansätze. Persönliche Vorlieben der Bauherren spielen eine weitere Rolle, beispielsweise bei Barrierefreiheit und Zahl und Anordnung der Fenster in Zusammenhang mit dem Standort. Oder persönliche Vorlieben bei der Fassadengestaltung – Farbe oder Sichtbeton, Klinker oder Putz. "Alle Menschen haben Bedürfnisse und Ansprüche an den öffentlichen Raum und fühlen sich dort wohl, wo es nicht vermüllt ist oder chaotisch aussieht." Menschen dürfen nicht an den Gebäuden leiden, denen sie im öffentlichen Raum ausgesetzt sind. Hausbesitzer wollen Rendite, aber: "Dem Einzelnen geht es nur gut, wenn es allen gutgeht", sagt Schröter. So gibt es auch Mieter, die in die Renovierung von Fassaden investieren.
Das Seidenweberhaus findet Schröter nicht so gelungen, obwohl Krefeld ein Haus mit dieser Nutzung braucht. "Aber ein Haus, dessen Eingang man nicht findet, kann nicht gut sein. Öffentliche Gebäude müssen sich visuell erschließen." Die Mediothek, "überdurchschnittlich gelungen", bräuchte, wie das Theater, mehr Platz vor dem Eingang. Und wenn man kein Geld hat, braucht man Ideen und Kommunikation: "Immer sind es Menschen, einzelne Personen, die Neues durchsetzen."
Viele "kleine Sünden", Baulücken des Krieges, sieht Schröter in der Stadt. Er weiß aber auch um die Probleme, sich mit anonymen Eigentümern zu verständigen. Der kleinteilige Parzellenzuschnitt in der Innenstadt macht es schwierig, größeres Bauvolumen zu verwirklichen. "Aber man muss auch nicht versuchen, alles zu bewahren, man kann auch maßvoll ändern." Die alte Fassade der Werkkunstschule gelte es zu erhalten, erinnert sie doch auch an die textile Vergangenheit und Kultur der Stadt. Darauf sollte Krefeld sich überhaupt mehr besinnen. So hätte sich Schröter ein textiles Dach über der Ostwall-Haltestelle gewünscht, gerade weil überall in der Welt mit Textil aus Krefeld sogar Stadiondächer überspannt werden.
Grundsätzlich aber, so findet Schröter, wird der Fokus auch der Architekten wieder mehr auf die Innenstadt gelenkt: "Die hat es auch bitter nötig."
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