Krefeld: Händler gegen Einkaufscenter
VON JOCHEN LENZEN - zuletzt aktualisiert: 08.05.2008Krefeld (RPO). Das Unternehmernetzwerks Niederrhein hatte zum Thema „Innenstadt“ zur Podiumsdiskussion geladen. Thema war ein mögliches neues Shopping-Zentrum. Die kritischen Einstellungen überwogen.
„Wir würden mit einem großen Einkaufszentrum am Ostwall sehenden Auges ins Messer laufen, weil das enorme Verlagerungen von Geschäften mit sich brächte. Und ein kleines Einkaufszentrum werden wir nicht kriegen; das macht kein Investor mit.“ Diese klare Position vertrat Joel Smolibowski, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Innenstadt, die sich schließlich auf das mögliche neue Einkaufszentrum konzentrierte. Gut 80 Gäste waren der Einladung des Unternehmernetzwerks Niederrhein in den den Kulturpunkt der Friedenskirche gefolgt.
Smolibowski riet dringend, im Vorfeld eines möglichen Einkaufszentrums schleunigst eine Satzung zu erstellen: „Center-Leute sind dreimal chemisch gereinigt – die fressen Sie sonst auf.“ Er verwies darüber hinaus auf eine Studie der Uni Hamburg. Danach ergebe sich rund um ein neues Einkaufszentrum nach einem etwa vierjährigen Hoch ein „Trading-down“ mit Billigläden, und die Immobilienpreise in 1 a-Lagen fielen ab. Eine nennenswerte Erhöhung der Zentralität, also des Zuspruchs von Auswärtigen, stelle sich nicht ein. „Wir sind zwar überzeugt, dass wir mit der hohen Qualität in unseren Geschäften dem derzeitigen Trend folgen und unseren Fortbestand sichern können“, so Peter Schwinn (Interessengemeinschaft Ostwall). „Wir haben aber Sorge, dass wir unten am Ostwall durch ein Einkaufszentrum abgenabelt werden.“ Hajo Greve (Werbegemeinschaft) wies auf die Gefahr der Verschiebung bestehender Filialen in ein neues Einkaufszentrum hin. „Ich verstehe auch die Sehnsucht nach einer neuen Mitte nicht. Wir haben doch ein Zentrum, in dem es so gut wie keine Leerstände gibt. Wenn diese Mitte massiv gestärkt würde, beispielsweise durch die Weiterentwicklung des Schwanenmarkt-Centers, hätte das auch positive Auswirkung auf die 1 b-Lagen.“
Große Läden sind gefragt
Für ein Einkaufszentrum an der vorgesehenen Stelle plädierte Oliver Schröter (Gestaltungsbeirat): Das Flächenangebot für den Einzelhandel sei in Krefeld sehr kleinteilig; Nachfrage bestehe aber nach größeren Lokalen – ein Problem, das ein Shopping-Center lösen könne. „Wichtig ist aber, dass ein solches Center nicht autark läuft, sondern stark mit der City verzahnt ist.“ Der Schlüssel für alle Einkaufszentren seien die richtige Lage und gute Architektur, so Innenstadtkoordinator Eckhard Lüdecke. Allerdings dürfe das Einkaufszentrum nicht zu groß sein. „Dort muss etwas passieren – vor allem, wenn das Einkaufszentrum nicht kommt.“
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