Krefeld: Handarbeit im Zirkus Knie
VON MARCEL MELLOR - zuletzt aktualisiert: 25.07.2008Krefeld (RPO). Bei der Premiere verzauberte der junge Zirkus sein Publikum mit klassischer Zirkuskunst, gewürzt mit modernen Elementen. Bis Dienstag gastiert er auf dem Sprödentalplatz.
Anthony Wandruschka steht in zehn Meter Höhe unter der Zirkuskuppel. Weit vor dem 38-Jährigen schwingt ein Solotrapez, das er mit einem Sprung erreichen muss. Der Österreicher ist völlig ungesichert. Das Publikum wagt kaum, nach oben zu blicken. Wandruschka springt. Es sind solche Momente, die die Premierenvorstellung des Zirkus Charles Knie unvergesslich machen.
Zwei Jahre ist es her, dass der neue Direktor Sascha Melnjak den Zirkus übernahm und die bisherige Magic-Vorstellung mit modernen Effekten durch ein konventionelles Manegenprogramm austauschte. Herausgekommen ist eine zweieinhalb Stunden währende Kunstwelt, die Tradition mit jungen Elementen verbindet. Da ist das gut aufgestellte Orchester, das mit bestens gelaunten Bläsern und wunderbar illustrierender Musik klassische Zirkusatmosphäre schafft und doch immer wieder moderne Melodien variiert, da sind spannende Zirkusnummern wie Akrobatik und Dressur, aufgelockert durch Showballett und Stand-up-Comedy.
Zirkus Knie in Krefeld
Der Zirkus gastiert noch bis zum Dienstag, 29. Juli, am Sprödentalplatz. Vorstellungen sind täglich um 16 und 20 Uhr, am Sonntag um 11 und 16 Uhr. Morgen kann man sich die öffentlichen Dressur- und Artistenproben, sowie das Konzert des Zirkusorchesters anschauen.
Kartenvorverkauf an allen Vorverkaufsstellen, sowie von 10-20 Uhr an den Zirkuskassen
Familiäre Stimmung
Natürlich, der Zirkus Knie bietet nicht die edle Atmosphäre eines Roncalli, seine Stärken liegen anderswo. Die Künstler, von denen viele zu den Weltstars am Zirkushimmel gehören, schaffen es, familiäre Stimmung zu erzeugen. Wenn Elefantendame Buni ihr Künststück gleich zweimal wegen dringender Notdurft unterbricht und die Assistenten ihr mit der Schubkarre hinterherrennen, grölt das Publikum vor Freude und applaudiert nachher umso mehr. Wenn Jongleur Wandruschka seine kleinen Fehler so wortgewandt vertuscht, dass man ihn glatt als professionellen Komödianten sieht und sich fragt, ob die Fehler nicht glatte Absicht waren, ist das Programm nicht länger bloß eine Anzahl von perfekten Darbietungen.
Nach der Pause dann die Nummer, auf die alle gewartet haben: Alexander Lacey, 31 Jahre jung und mit Preisen überhäuft, betritt die Manege. Mit ihm kommen drei Löwen und vier Tiger. Der Brite kennt sie alle von klein auf und betont trotzdem immer wieder: Man kann sie trainieren, aber nicht zähmen. Die Zuschauer spüren, dass auch diese hundertste Vorstellung keine Routine ist. Doch Lacey hat die Lage voll unter Kontrolle. Ein banges Gemurmel geht durch die Menge, als er zum Schluss der Nummer seinen Kopf im Maul des majestätischen Löwen Massai verschwinden lässt.
Bauchredner begeistert
Am Ende ist es nicht der Nervenkitzel an der Kuppel oder das gefährliche Spiel hinter dem Gitter, das den heimlichen Höhepunkt bildet, sondern die Nummer von Bauchredner Kenneth Huesca, der Saxophon- und Xylophon genau wie seine Stimme beherrscht und das Publikum vollends verzaubert. Ein Hauch von alter Zirkuskunst weht durch das zwei Jahre alte Zelt.
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