Krefeld: Haydns und Handys Klingeltöne
zuletzt aktualisiert: 17.09.2007Krefeld (RPO). Der Mann am Klavier ist ein Clown, ein Allround-Musiker sowieso und einer, der das Publikum in einer ironischen und komischen zweistündigen Jagd durch die Musikgeschichte hetzt. „Die Neunte“ heißt das Programm von Hans Liberg (53), und zu Beethoven kommt er mit Walking-Stöcken auf die Bühne des Seidenweberhauses, auf der zu beiden Seiten die Top-100 der klassischen Musik angeschlagen sind. Dann legt er los, der in Amsterdam geborene Musikwissenschaftler, und lässt zu Schubert mitklatschen, singt die Zauberflöte auf holländisch und die Neunte mehrsprachig. „Alle meine Entchen“ schwimmen über die Moldau. Ungeniert mixt Liberg Chopin mit „Yesterday“, Pippi Langstrumpf und Mozart. Alles spielt er kurz an, wechselt fließend von Liszt zur Schalke-Hymne, von Mozart zum „House of the rising sun“. Er verulkt Andre Rieu und Helmut Lotti. Auf der Tuba tönt er wie ein Elefant und behauptet, Musik mache intelligent. Seine musikalische Performance macht die Zuhörer jedenfalls nicht dümmer. Beethovens Elise komponiert er neu, führt vor, wie aus Haydn Handy-Klingeltöne werden, wie der Papst Urbi und Orbi singt, wie die Schöpfungsgeschichte klingt – die Besucher erfahren alles über die europäische E- und U-Musik, deren Wurzeln und Komponisten. Dazwischen grimassiert er, turnt herum, stülpt sich eine Langhaarperücke über den kurzgeschorenen Schädel und greift zwischendurch zu anderen Instrumenten. Die „Schlafzimmerhitparade“ kommt in der Zugabe – der „Bolero“ von Ravel gehört dazu und Mozart plus Beethoven plus „Oleoleoleee“ und „A hard days night“.
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