Krefeld: Hetzt Professor gegen Schwule?
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 15.12.2009Krefeld (RPO). Ein Dozent der Hochschule soll in seinen Vorlesungen gegen Homosexuelle und Juden gehetzt haben. Die Studentenvertreter fordern Konsequenzen. Deshalb werden sie heute mit einer spektakulären Aktion protestieren.
Homosexuelle seien krank, weil sie nicht der Selbst- und Arterhaltung dienen, und Kinder trügen nach einem Missbrauch nicht zwangsläufig Schäden davon. Das soll ein Professor am Fachbereich Sozialwesen in seinen Vorlesungen gesagt haben. Und die Studentenvertreter (Asta) der Hochschule Niederrhein habe er mit Blockwarten verglichen. Die Anschuldigungen gegen den Professor, der Sozialmedizin und insbesondere Sozialpsychiatrie lehrt, wiegen schwer. "Im Herbst 2008 haben sich Studierende aus dem ersten Semester des Studiengangs ,Soziale Arbeit' bei uns über die Aussagen des Dozenten beschwert", sagt Asta-Sprecher Robert Kramer. "Wir haben daraufhin sofort das Gespräch mit dem Beschuldigten gesucht."
Dieses Gespräch soll die Situation noch verschärft haben. "Unter anderem verglich er Homosexuelle mit Pädophilen und Nekrophilen", sagt Kramer. "Und er postulierte, Schwule seien im dritten Reich vergast worden, weil sie krank sind, Juden hingegen, weil sie böse waren." Geschockt von solchen Äußerungen, so Kramer, hätten die Studentenvertreter umgehend das Gespräch mit dem Dekan des Fachbereichs und auch mit dem Rektor der Hochschule, Hermann Ostendorf, gesucht. "Beide reagierten entsetzt", sagt Kramer.
Aber nach einer Aussprache mit dem beschuldigten Dozenten habe sich die Aufregung schnell gelegt. "Es würde sich bei den Aussagen des Professors um breit interpretierbare Hypothesen handeln", sei argumentiert worden. "Man zitierte die freie Meinungsäußerung und die Freiheit der Lehre." Die Studentenvertreter seien gebeten worden, die Angelegenheit nicht in die Öffentlichkeit zu transportieren, da dies den Ruf der Hochschule beschmutzen könne. Detailliert berichteten die Studentenvertreter hernach über die Angelegenheit in der Asta-Zeitschrift "42".
"Dies ist eine interne Personal-Angelegenheit, die intern geklärt wird", sagte gestern der Sprecher der Hochschule, Rudolf Haupt, auf Nachfrage der RP. Wegen der Beschwerden aus der Studentenschaft sei aber kürzlich eine Evaluierung durchgeführt worden. Studenten konnten auf Fragebögen die Lehre des Professors bewerten. Dabei kam für diesen ausgesprochen Positives heraus. "Er wird als offener, sehr kommunikativer Dozent dargestellt, seine Lehrveranstaltungen gäben keinen Anlass zur Kritik", erläutert Haupt.
Dennoch sei die Frage erlaubt, inwieweit der Dozent seine eigene Meinung vertrete oder nur einen wissenschaftlichen Aspekt wiedergebe. "Wo sind die Grenzen", fragt Rudolf Haupt. Nach der Befragung der Studenten sehe die Hochschulleitung derzeit keinen Handlungsbedarf. Die Studenten sehen das anders. Sie protestieren heute ab etwa 12 Uhr mit einer Performance gegen die Aussagen des Dozenten .
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