Krefeld: Heute freie Fahrt für den Lint
VON GERT UDTKE - zuletzt aktualisiert: 12.12.2009Krefeld (RPO). Die Züge der NordWestBahn lösen bereits heute Abend, einen Tag vor dem Fahrplanwechsel am Sonntag, die Deutsche Bahn auf der Strecke Kleve-Kempen-Düsseldorf ab. Kunden hoffen auf mehr Pünktlichkeit und Komfort.
Der gelb-blaue Lint der privaten Gesellschaft NordWestBahn ersetzt ab diesem Wochenende die roten Talent-Triebwagen der Deutschen Bahn AG. Das Osnabrücker Unternehmen übernimmt mit seiner neuen Fahrzeugflotte die knapp 92 Kilometer lange Strecke des Niers-Express (RE 10) von Kleve über Kempen und Krefeld nach Düsseldorf. Nach der gewonnenen Ausschreibung läuft der Vertrag mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) bis zum Jahr 2015. Am Fahrplan ändert sich nichts: Die Züge verkehren tagsüber wie gewohnt im Halbstunden-, abends und an den Wochenenden im Stundentakt. Die Tarifstruktur bleibt, ebenso die Anschlüsse an Busse und Bahnen. Tickets gibt es an den gewohnten Verkaufsstellen und Automaten.
Offiziell startet die NordWestBahn auf der Niers-Express-Strecke am Sonntag um 0 Uhr. Für einen reibungslosen Übergang übernehmen die Lint-Züge aber schon am heutigen Samstag erstmals um 21.09 Uhr die Fahrt von Düsseldorf nach Kleve. Sieben weitere Touren folgen noch am selben Abend.
Staus vor Schranken
Signaltechnik Ab Sonntag werden Signale und Schranken zwischen Aldekerk und Kempen teils automatisch, teils zentral vom Kempener Stellwerk gesteuert.
Verkehrsprobleme Klaus Hegmanns von Pro Bahn befürchtet noch längere Staus als jetzt vor dem beschrankten Bahnübergang am Kreisverkehr Kleinbahnstraße/Hooghe Weg in Kempen: Laut Hegmanns muss ab Sonntag die gesamte Strecke Aldekerk-Kempen (bisher nur Voesch-Kempen) sicherheitstechnisch frei gegeben sein (Signale grün, Schranken zu), ehe der Zug fährt. Schranken sind also einige Minuten länger unten.
Die neu angeschafften Dieseltriebwagen der Firma Alstom kosten je 2,5 Millionen Euro. Die geräumigen, hellen Wagen des Lint ("Leichter Innovativer Nahverkehrs-Triebwagen") bieten mit einer ausfahrenden Trittstufe einen niveaugleichen, bequemen Einstieg am Bahnsteig ohne tückisches Stolperloch und fahren geräuscharm bis zu 120 Stundenkilometer schnell.
Jede 41 Meter lange Einheit hat 136 Sitz- und etwa 105 Stehplätze. Laut Fahrgastverband Pro Bahn Niederrhein werde zu den Spitzenzeiten morgens und abends mit drei gekoppelten Triebwagen gefahren, das macht auf 123 Meter Zuglänge 408 Sitzplätze. Mehr geht wegen der Bahnsteiglängen nicht. Die Wagen sind videoüberwacht, in jedem vierten Zug soll nach den Vorgaben des VRR ein Zugbegleiter dabei sein. Die Wagen sind behindertenfreundlich eingerichtet, beispielsweise die Toilette, und es gibt Türtaster für Sehbehinderte.
Klaus Hegmanns, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn Niederrhein, Bezirksgruppe Krefeld-Kempen, begrüßte gestern, dass die Deutsche Bahn auf regionalen Strecken private Konkurrenz bekommt: "Das belebt das Geschäft." Er habe die NordWestBahn bereits als "sehr offen für den Dialog" kennengelernt. Er sieht manchen Verbesserungsbedarf, für den allerdings eher Politiker und VRR als der Bahnbetreiber zuständig seien.
So gebe es nach wie vor mehrere hinderliche Tarifstrukturen und -verbünde zwischen Düsseldorf und Kleve. Die Anschlüsse zwischen Bahn und Bussen, die von mehreren Unternehmen betrieben werden, müssten zum Beispiel in Kempen besser aufeinander abgestimmt werden. Die Züge müssten pünktlich verkehren – 2008 hatte der Niers-Express laut VRR durchschnittlich fünf Minuten Verspätung. Und die Kapazitäten der Bahn müssten im Sommer für den Radtourismus (Stichwort Fahrradmitnahme im Zug) und für die Besucherströme zu Festen und Märkten angepasst werden. Frage des Tages
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