Krefeld: Hoffen und Bangen bei der Telekom
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 30.09.2008Krefeld (RPO). Erstmals nach der Verkündung der Call-Center-Schließungspläne besucht heute ein Telekom-Vorstand eine der betroffenen Einrichtungen. Betriebsrat und Politik geben sich auch für Krefeld hoffnungsvoll. In wenigen Tagen verhandelt der rosa Riese mit dem Gesamtbetriebsrat.
In den Kampf der Telekom-Mitarbeiter um die geplante Schließung der Callcenter – in Krefeld stehen knapp 200 Arbeitsplätze auf der Kippe (RP berichtete) – scheint Bewegung zu kommen. Für heute hat erstmals ein Vorstandsmitglied der Telekom seinen Besuch in einem Callcenter angekündigt. Mit Argusaugen blicken die Krefelder Telekom-Beschäftigten nach München.
In dem Callcenter der Landeshauptstadt wird der zuständige Telekom-Vorstand Timotheus Höttges heute mit dem Betriebsrat über die Zukunft der 400 Beschäftigten verhandeln. „In dem Gespräch wird es darum gehen: Wie kann man aus der Sache noch rauskommen?“, sagt der Münchner CSU-Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer, der das Treffen mit eingefädelt hat.
Sein Krefelder Kollege Bernd Scheelen (SPD) glaubt ebenfalls, dass das letzte Wort bei der geplanten Schließung der Callcenter noch nicht gesprochen ist. Die Telekom hat angekündigt, dass die knapp 200 Beschäftigten aus Krefeld künftig in Düsseldorf arbeiten sollen und auch das in der Seidenstadt beheimatete Ausbildungszentrum wegfallen wird. „An dem Thema sind noch ganz viele Menschen zugange“, sagt Scheelen.
„In den vergangenen Monaten war der Personalvorstand der Deutschen Telekom allein zweimal wegen dieser Angelegenheit bei der SPD-Bundestagsfraktion.“ Scheelen verweist darauf, dass die Strecke bis nach Düsseldorf nicht weit erscheine. „Aber für viele Beschäftigte ist es bereits die dritte Standortverlagerung. Sie kommen vom rechten Niederrhein, haben bereits eine stundenlange Anreise.“ Insbesondere alleinerziehende Mütter mit Kindern seien betroffen.
Manfred Geneschen, Krefelder Betriebsratsvorsitzender, gibt sich ebenfalls hoffnungsfroh. Anfang Oktober startet die Deutsche Telekom ihre Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat. „Ich denke schon, dass da noch Bewegung reinkommt“, sagt Geneschen. Er geht davon aus, dass die geplante Callcenter-Schließung vor der Einigungsstelle landen wird. „Die Telekom wird dabei auf eine einvernehmliche Lösung mit dem Gesamtbetriebsrat setzen und deshalb Zugeständnisse machen“, glaubt Geneschen.
Es sei aber ein Irrtum anzunehmen, dass alle Standorte gerettet werden könnten. „Es wird um Hilfe für Härtefälle gehen.“ Ist Krefeld solch ein Härtefall? „Im Osten Deutschlands ist nach den Plänen der Telekom künftig ein Callcenter für alle fünf Bundesländer zuständig. Das ist ein Härtefall.“
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