Krefeld: Hoffnung fürs Einkaufscenter
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 20.05.2010 - 06:58Krefeld (RPO). Die Schweizer Investoren bieten an, dass die Stadt die Werkkunstschule für einen Euro zurückkaufen kann. CDU und Grüne sind verhalten optimistisch, dass am Ostwall nun ein kleines Einkaufszentrum entstehen könnte.
Der Deal
Damals Luximo kauft die Werkkunstschule für 600 000 Euro (die Stadt hatte sie für 250 000 Euro vom Land NRW gekauft). Die Stadt verpflichtet sich, für mindestens 20 Jahre für die Schulverwaltung rund 3400 Quadratmeter im Behnisch-Haus der Luximo zu mieten. Preis pro Quadratmeter: 9,75 Euro – wenn Luximo die Ostwall-Passage baut. Da Luximo das nicht getan hat, fordert die Stadt zurzeit 1,75 Millionen Euro von Luximo.
Heute Luximo bietet der Stadt die Werkkunstschule für einen Euro und die drei Häuser Ostwall 148, 150 und 152 für 3,2 Millionen Euro an. Bedingungen: Die Stadt erfüllt ihren 20-Jahre-Mietvertrag und verzichtet auf ihre 1,75-Millionen- Euro-Forderung.
Ein Brief aus der Schweiz sorgt unter Krefelds Politikern aller Fraktionen für große Erleichterung: Der Immobilieninvestor Luximo West bietet darin der Stadt Krefeld die Rückübertragung der Werkkunstschule an und darüber hinaus den Verkauf von drei Häusern am Ostwall.
Eigentlich wollte Luximo der Innenstadt zwischen Ostwall und Behnisch-Haus einen neuen Impuls geben und ein 20 000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum errichten. Vor knapp zwei Jahren dann versprach der Schweizer Immobilieninvestor eine abgespeckte Lösung: eine Ostwall-Passage errichten und die Werkkunstschule für Büronutzung ertüchtigen. Im Gegenzug verlangte Luximo West, der auch das Behnisch-Haus gehört, dass die Stadt dort 3400 Quadratmeter zu einem Preis von 9,75 Euro pro Quadratmeter mietet. Das tat die Stadt – die Schulverwaltung zog dort ein. Doch die Ostwall-Passage kam bis heute nicht.
"Mit Blick auf die bereits durch die Stadt Krefeld realisierte Verkehrslösung Ostwall will Luximo einer Entwicklung der Bebauung nicht im Wege stehen", schreibt Stephan Hürlimann von der Luximo AG nun. "Daher bieten wir an, mit der Stadt Krefeld durch Rückübertragung der durch die Luximo-Gruppe erworbenen Grundstücke eine Lösung zu ermöglichen." In einer Woche soll der Brief Thema bei der Fraktionsvorsitzendenkonferenz sein.
"Guter Standort"
Der planungspolitische Sprecher der CDU, Jürgen Wettingfeld, sieht in dem Schreiben eine "Anerkennung der Realitäten" durch Luximo. "Die Firma hat nicht die richtigen Partner gefunden, um das Projekt zu entwickeln. Jetzt versucht sie einen sauberen Abschluss." Natürlich müsse die Stadt zunächst prüfen, ob der geforderte Kaufpreis von 3,2 Millionen Euro realistisch sei. "Grundsätzlich aber bekommt die Stadt Krefeld jetzt das Heft des Handelns zurück." Denkbar sei beispielsweise ein kleines Einkaufszentrum entlang des Ostwalls, wie es die Rheinische Post exklusiv bereits am 4. Mai vorgestellt hatte. "Wir sind uns mit dem Shopping-Center-Betreiber MFI einig, dass das ein guter Standort für ein Einkaufszentrum mit einer vernünftigen Architektur wäre, die auch die Kleinteiligkeit nicht vergisst", erklärte Rechtsanwalt Konrad Steinert, dem vier Häuser im nördlichen Ostwall-Block gehören. Voraussetzung sei allerdings, dass Luximo die drei ihr gehörenden Häuser verkaufe.
Dass diese Möglichkeit jetzt zum Greifen nah ist, überrascht Rolf Rundmund, den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen, nicht besonders. "Vor vier Wochen hatten wir ein Gespräch mit Luximo, bei dem substanziell zur Passage überhaupt nichts kam", erinnert sich Rundmund. "Wenn es jetzt gelinge, Steinert mit ins Boot zu kriegen, dann könnte etwas Passendes am Ostwall entstehen." Zwischen den vier Häusern von Steinert und den dreien von Luximo liegen sechs Häuser, darunter die Gaststätte "Mississippi". Ob MFI dort bereits gekauft hat, ist nicht bekannt. Ulrich Hahnen, SPD-Fraktionsvorsitzender, hatte vor vier Jahren gegen den Vertrag mit Luximo gestimmt. Die Firma habe sich den Deal mit überhöhten Mieten vergolden lassen, so damals sein Vorwurf. Er will nun prüfen lassen, ob die Häuser die 3,2 Millionen Euro wert sind. Grundsätzlich biete der Luximo-Brief die Chance, "dass wir in den nächsten Jahren tatsächliche Erfolge sehen". Ob ein Einkaufszentrum gebaut werden soll, müsse das Einzelhandelsgutachten klären.
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