Krefeld: Hunderte Raucher, eisgekühlt
VON MICHAEL SENDER - zuletzt aktualisiert: 04.01.2008Krefeld (RPO). Premiere im König-Palast: Nirgends waren in Krefeld vom neuen Rauchverbot mehr Menschen betroffen als beim Spiel der Pinguine. Ein Bericht über heimliche WC-Qualmer und lange Schlangen in den Pausen.
Massenandrang im Ausgangsbereich: Hunderte strömen Richtung Kälte. Es ist Drittelpause im König-Palast. „Endlich Zeit für eine Zigarette“, denken sich die Raucher unter den Eishockeyfans beim Spiel der Krefeld Pinguine. Doch der Glimmstängel für zwischendurch darf nicht mehr im Innenraum geraucht werden, die Aschenbecher wurden gänzlich entfernt: „Wir bitten Sie, nur draußen zu rauchen“, sagt Hallensprecher Kristian Lach durch sein Mikrofon. „Im König-Palast herrscht Rauchverbot!“
Qualmen in der Kälte
Einige Frostbeulen nutzen die Pause zu einem Kurzausflug in die gegenüberliegende Gaststätte der Rheinlandhalle, andere wiederum gehen zum nicht weit entfernten Kiosk. „Da ist es schön warm und wir können beim leckeren Bierchen ein leckeres Zigarettchen schmocken“, sagt Achim Martens, packt seine Frau unter den Arm und geht über die Straßenseite. Das Gros der qualmenden Besucher bleibt allerdings vor der Halle stehen und befolgt die neue Regelung in der Kälte.
Gefahr Passivrauchen
Lungenkrebsrisiko Bei Passivrauchern steigt es um rund 30 Prozent.
Todesfälle Rund 3000 Menschen sterben jährlich in Deutschland.an den Folgen des Passivrauchens
Gesundheitsrisiken unter anderem: Asthma, Bronchitis, Atembeschwerden oder Lungenentzündung.
Gesetz hin, Gesetz her – manch einer hält sich nicht an die neue Verordnung. Auf der Herren-Toilette pustet ein Jugendlicher in schwarz-gelber Kluft den letzten Rauch in den Raum, öffnet die Toilettentür und tut so, als sei nichts gewesen. Das Sicherheitspersonal beachtet dies nicht, der Junge kommt ungeschoren davon.
Das Rauchverbot bietet an diesem Abend ausreichend Diskussionsstoff. Klar, die Raucher müssen sich erst einmal dran gewöhnen. „Das ist Diskriminierung“, meint Anna Weichert und zieht kräftig an ihrer Kippe. „Wir werden verscheucht. Den meisten Nichtrauchern macht es doch gar nichts aus, wenn drinnen geraucht wird“, behauptet sie.
In öffentlichen Gebäuden darf seit dem 1. Januar nicht mehr geraucht werden. Drinnen, im Umlauf der Multifunktionshalle, atmet Earl Spry tief durch. „Ich bin begeistert“, sagt der ehemalige KEV-Spieler. „Jetzt herrscht hier frische Luft. Früher war der Umlauf zugequalmt.“ Während sich Nichtraucher Spry freut, frieren Raucher in der Winterkälte. Erkältungsgefahr!
„In meiner Heimat ist es ganz normal, dass Raucher raus müssen“, sagt Earl Spry. Der Kanadier hat sich schnell an die frische Luft gewöhnt. Nichtraucher Peter Gassner geht sogar weiter: „Der Nichtraucherschutz bringt nichts, man müsste das Rauchen gänzlich verbieten.“
Als sich die Pause dem Ende entgegenneigt, zieht Anna Weichert noch einmal an ihrer zweiten Zigarette und geht zurück zum Drehkreuz. Die Rauchermasse will zurück. Zur zweitschönsten Sucht: dem Eishockeyspiel.
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