Krefeld: Idee: Bürger sollen Ostwall selbst bepflanzen
VON JOCHEN LENZEN - zuletzt aktualisiert: 25.11.2009 - 11:03Krefeld (RPO). Interessierte Bürger sollen auf dem gesamten Ostwall-Mittelstreifen Parzellen bekommen und nach ihrem Geschmack bepflanzen und pflegen. Das schlägt Wilhelm Rinsch für das Projekt "Krefeld – schön hier" vor. Doch nicht nur dieser Vorschlag wurde abgelehnt.
Längst nicht alle Ideen, die im Rahmen der Aktion "Krefeld – schön hier" eingereicht werden, stellt die Jury auch zur Diskussion ins Internet. So ist es auch Wilhelm Rinsch ergangen. Er hat vorgeschlagen, den Mittelstreifen des Ostwalls nach einem Plan aus den 30er Jahren mit geschlängelten Wegen zu versehen und interessierten Krefeldern Parzellen zu überlassen, die sie nach eigenem Geschmack und auf eigene Kosten bepflanzen und pflegen sollen.
"Und zwar ohne einengendes Regelungskorsett durch das Grünflächenamt", sagt der Rentner. Die beste Parzelle soll in einem Wettbewerb ermittelt werden. Die Stadt solle dem Sieger seine Kosten erstatten.
Baudezernent lehnt den Vorschlag ab
Sowohl Baudezernent Thomas Visser, vormals Leiter des städtischen Fachbereichs Grünflächen, als danach auch die Jury haben den Vorschlag abgelehnt. "Die Ostwallgestaltung ist nach vielen Jahren der Diskussion nach einem städtebaulichen Konzept nun endlich abgeschlossen", sagt Friedhelm Kutz vom Fachbereich Stadtmarketing, im Einklang mit Visser. Der hatte Wilhelm Rinsch schon im April unter anderem dargelegt, dass der Ostwall-Mittelstreifen bereits 1996 nach historischen Plänen und Fotografien wiederhergestellt worden ist.
So läuft's ab
Die Jury aus fünf ausgewählten Bürgern und fünf Fachleuten trifft sich alle zwei, drei Wochen, um eingerichte Ideen zu sichten und gegebenenfalls ins Netz zu stellen.
Von gut 100 Ideen finden sich derzeit gut 70 unter www.krefeld-schoen-hier.de im Netz und können dort kommentiert werden.
Weitere Ideen können bis 30. November unter der obigen Internet-Adresse eingereicht werden. Wer kein Internet hat, kann unter Telefon 861509 erfragen, wie er an Unterlagen für eine schriftliche Einsendung kommt.
Im Dezember wählt die Jury drei Projekte aus, die im Januar allen Krefeldern zur Abstimmung vorgelegt werden. Der siegreiche Vorschlag wird bis März mit einem Budget von bis zu 60 000 Euro realisiert.
Rinsch, vor seiner Pensionierung übrigens im städtischen Hochbauamt tätig, ist enttäuscht: "Diese Aktion dient doch nicht nur der Verschönerung des Ostwalls, sondern durch die allgemeine Neugier auch der Wiederbelebung der Geschäftswelt." Bedenken der Planungsbehörde wie Probleme mit der nachhaltigen Pflege wegen nachlassenden Interesses der Pflanzer kann er nicht nachvollziehen.
Rinsch steht mit der Ablehnung seiner Idee nicht allein: Auch eine Drive-In-Einkaufszone an einem der Wälle mit Geschäften des täglichen Bedarfs und schräg angelegten Autostellplätzen oder die Einrichtung von Picknickplätzen auf den Mittelstreifen von Ost- und Südwall mit Verleih von Picknick-Körben, Decken und Sonnenschirmen wurden von der Jury verworfen. "Sie erschienen der Jury als nicht realistisch", sagt Kutz.
Werden also nur ganz sachliche Vorschläge wie die Befreiung des Elfrather Sees von Gänsekot, das Aufstellen von mehr Sitzbänken oder die Beleuchtung von Joggerstrecken zur Diskussion ins Internet gestellt? Sind nicht gerade die "verrückten" Ideen der Humus, auf dem schließlich wirklich Neues, Originelles gedeiht? Nein, es würden durchaus auch ausgefallene Ideen ins Netz gestellt, verweist Kutz auf die Internetadresse www.krefeld-schoen-hier.de. Und tatsächlich tauchen dort Vorschläge wie das Aufstellen eines Krawattenpendels, eine Stadterkundung mit Geo-Coaching oder die Gestaltung einer Hochzeitsgasse auf.
Wie immer man dem Vorschlag Wilhelm Rinschs gegenüber stehen mag – eines ist sicherlich unzweifelhaft richtig: Wenn jeder nach eigenem Geschmack und Gutdünken das Ostwall-Mittelgrün auf Parzellen gestalten dürfte, entstünde – so formulierte der Baudezernent – ein recht "inhomogenes Bepflanzungsbild".
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