Krefeld: Innenstadt vor Umbruch
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 04.10.2008Krefeld (RPO). Neue Prognosen sehen schwere Zeiten auf den Handel zukommen. Viele deutsche Großstädte reagieren mit Shoppingcentern in der City – muss Krefeld nachziehen? Und wie reagiert der Einzelhandel auf die neue Konkurrenz?
Wer sich an diesem Wochenende ins Auto setzt, um außerhalb von Krefeld einzukaufen, wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein „Shopping-Center“ betreten. Die Innenstädte des Umlands – Duisburg, Essen, Düsseldorf – haben sich ein neues Gesicht gegeben. Vier große Einkaufscenter sind dieses Jahr mitten in NRW-Städten entstanden. 2009 kommen fünf weitere hinzu. Der Trend soll anhalten.
Krefelds City-Macher reagieren auf diese Entwicklung noch unentschlossen. Zwar ist auch in der Seidenstadt ein neues Einkaufscenter geplant, direkt am Ostwall. Doch die politische Diskussion steht noch aus – und schon jetzt ist das von Luximo geplante Großkaufhaus unter Einzelhändlern der City heiß diskutiert: Segen oder Flucht?
Der Passagen-Plan
Die Luximo-Gruppe will auf drei Grundstücken am Ostwall eine Passage bauen, die zur Petersstraße zum Behnisch-Haus führt. Links und rechts des überdachten, 150 bis 200 Meter langen Durchgangs sind Geschäfte geplant.
Wirtschaftsexperten sehen die europäische Stadt vor den gravierendsten Veränderungen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Auch Krefelds City wird sich in den kommenden Jahren verändern, ob mit oder ohne Luximo-Mall. Zumindest in dieser Hinsicht sind sich auch die Krefelder Experten einig. Joel Smolibowski, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, sieht düstere Zeiten auf den Handel zukommen. Inhabergeführter Einzelhandel werde es schwer haben: „40 bis 70 Prozent werden verschwinden.“
50 Prozent Inhaber
Noch seien laut Smolibowksi 50 Prozent des Einzelhandels in der Krefelder Innenstadt inhabergeführt. Eine stolze Quote. Solche Geschäftsleute sind für Vermieter ein Segen – ihre Existenz am Ort beruht oft auf Tradition. Gerade für den inhabergeführten Einzelhandel bringe der Umbruch der Citys aber die gravierendsten Probleme. Smolibowski sagt: „Die Inhaber tun sich schwer, Veränderungen mitzumachen.“ Die Ketten haben es leichter – ihre Geschäftsführungen liefern Standortanalyse und Marketingkonzept.“ Eben diese Ketten siedeln sich derzeit im Umland gerne in den Shopping-Centern an: in Duisburgs „Forum“, in Essens „Center am Limbecker Platz“ oder in den „Bilker Arcaden“ in Düsseldorf. Opfer dieser Center-Welle sind überall die Kaufhäuser – Karstadt, Kaufhof, Horten.
Franz-Joseph Greve sagt: „ Wenn noch ein Shopping-Center kommt, werden Filialisten aus der City ins Kaufhaus umziehen. Die Kernfrage ist: Wo soll die Stadt sterben?“ Greve ist einer der Inhaber, der seinen Laden selbst führt. Er wohnt über seinem Modehaus an der Hochstraße. „Ich kenne die City sehr gut“, sagt der Mann, der sich gegen ein weiteres Shopping-Center wehrt: „Mit einem Einkaufszentrum stärken wir die Stadt nicht. Wir brauchen viele kleine Läden.“
Wenn die Ketten aus der City in das neue Center gehen, bleibt nur noch der Inhaber-Einzelhandel. Was solle der da alleine, fragt Greve. Die Politik habe es versäumt, den Wegzug vieler Segmente aus der City zu verhindern. „23 Jahre, neun Stadtplaner. Seit dem Ersten Weltkrieg hat es hier keine richtige Stadtplanung mehr gegeben.“
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