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Krefeld: Interview: Das neue Team fürs Theater

zuletzt aktualisiert: 05.01.2010 - 10:13

Krefeld (RPO). Michael Grosse, der designierte Generalintendant, über seine künftige Arbeit am und für das Gemeinschaftstheater, über anhaltende Sparanstrengungen, strukturelle Änderungen und personelle Neubesetzungen an den Vereinigten Städtischen Bühnen.

Theater-Intendant Michael Grosse.  Foto: RP
Theater-Intendant Michael Grosse. Foto: RP

Herr Grosse, das neue Jahr bringt auch für Sie Veränderungen, organisatorische wie personelle. Wo stehen Sie bei den Vorbereitungen auf Ihr neues, Ihr viertes Intendantenamt?

Michael Grosse Ich denke, wir stehen dabei im zweiten Drittel. Wir sind, soweit dies die Planungen betrifft, schon ziemlich weit. Es gibt am Jahresanfang noch ein paar Personalentscheidungen zu treffen. Diese beziehen sich auf freischaffende Regisseure und Regieteams, betreffen aber auch festangestellte Kollegen. Das alles ist im Augenblick recht strapaziös, ich reise viel zwischen Flensburg und dem Niederrhein hin und her.

Bis zum Sommer 2010 sind Sie ja weiterhin Intendant des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters. Was wird sich in Krefeld und Mönchengladbach gegenüber Ihrer jetzigen Arbeit definitiv ändern?

Grosse Der Hauptunterschied ist leicht zu benennen: Die Arbeit am Gemeinschaftstheater, das zwei Standorte hat, ist wesentlich zentraler und fokussierter als die am Landestheater mit drei Zentralen und zwölf Abstecher-Orten. Darin sehe ich eine Erleichterung, zum Beispiel werde ich jährlich sicherlich nicht mehr 50 000 Kilometer mit dem Auto zwischen den Spielorten unterwegs sein. Erleichterung sehe ich auch beim Thema Abstimmung mit Kommunalpolitikern, das ist hier hoffentlich einfacher als in Flensburg, Schleswig und Rendsburg. Die künstlerische Arbeit kann so stärker in den Mittelpunkt rücken.

Haben Sie schon eine Wohnung gefunden?

Grosse Noch nicht, aber die Suche läuft. Aus familiären Gründen würde ich eine Wohnung in Krefeld-Bockum bevorzugen, auch aus schulischen Gründen.

Sie bringen also Ihre Familie mit.

Grosse Nicht vollständig. Meine Frau, die Sängerin Gabriela Kuhn, zieht mit an den Niederrhein, auch unser Jüngster, der sechsjährige Gabor. Meine Tochter aus erster Ehe studiert in Leipzig, und unser ältester Sohn, er ist 19 Jahre, wird 2010 mit einem Studium beginnen. Er kommt also auch nicht mit nach Krefeld/Mönchengladbach.

Dürfen wir schon erfahren, mit welchem Stück, welchem Musikdrama Sie Ihre erste Spielzeit am Niederrhein eröffnen werden?

Grosse Das werde ich Ihnen jetzt noch nicht sagen. Sie werden sich da bis schätzungsweise Mitte März gedulden müssen. Es ist guter Brauch, dass der Spielplan zunächst mit dem Theaterkuratorium abzustimmen ist.

Vor einem Jahr hatten Sie gesagt, Goethes "Faust" würde Sie reizen.

Grosse Den "Faust" wird es in den kommenden fünf Jahren sicherlich irgendwann zu sehen geben.

Das Theater erlebt zum Intendantenwechsel einen Aderlass, der besonders das Schauspielensemble betrifft. Werden Sie die Lücken problemlos geschlossen bekommen?

Grosse Fest steht, dass Bruno Winzen, Daniel Minetti und Eva Spott neu ins Ensemble kommen. Einige ganz junge Schauspieler, überwiegend Hochschulabsolventen, müssen noch engagiert werden. Diese Suche ist eine sehr verantwortungsvolle. Es geht auch darum, dass junge Schauspieler Gelegenheit erhalten, sich zu entwickeln. Der neue Schauspieldirektor Matthias Gehrt steht mit etlichen Kandidaten in Verhandlung.

Sie stocken das Vorstandsteam auf, schaffen Positionen wieder oder neu. Eben nannten Sie Matthias Gehrt als künftigen Schauspielchef, dann wird Andreas Wendholz als neuer Operndirektor aus Nürnberg nach Krefeld/Mönchengladbach zurückkehren, und auch einen Austattungsleiter haben Sie bereits benannt: Frank Hänig. Gibt es an der Spitze weitere neue Köpfe?

Grosse Chordirektor Heinz Klaus wird in den Ruhestand eintreten. Für ihn haben wir eine junge Kollegin engagiert. Ab der Spielzeit 2010/11 wird die russische Chordirigentin Maria Benyumova den Chor der VSB leiten. Ich verspreche mir von ihr wichtige Impulse für die Chorarbeit.

Auch beim Musiktheater bleiben nicht alle Solisten an Bord, haben Sie schon deren Nachfolge geregelt?

Grosse Wir hatten vor kurzem wieder ein Vorsingen absolviert, weitere werden folgen. Derzeit kann ich noch keine Namen nennen.

Und was ändert sich beim Ballett?

Grosse Robert North bleibt Chefchoreograf. Wir haben einen Fünf-Jahres-Vertrag geschlossen, damit ist seine Amtszeit an meine gekoppelt. North ist meine absolute Wunschbesetzung, wir können von Glück reden, dass ein Mann dieses künstlerischen Formats hier weiter arbeiten wird.

Im Zuge der heftigen Theaterkrise zu Beginn des ausklingenden Jahres hat Jens Pesel düstere Prognosen ausgesprochen. So äußerte er die Befürchtung, dass Sie im Spätsommer 2010 keine einzige bestehende Produktion würden übernehmen können, weil alle bereits durch die Abos gelaufen sind.

Grosse Die Krise ist ja danach glimpflich beigelegt worden. Dadurch hat sich diese Voraussage relativiert. Wir werden hinreichend Produktionen für die Startphase übernehmen können.

Sie schaffen drei Positionen, die es früher hier am Theater auch schon einmal gab, die aber nicht mehr besetzt sind, je einen Leiter des Schauspiels, des Musiktheaters und des Ausstattungsbereichs. Kann sich das zum Sparen verdonnerte Theater solche kostenträchtigen Stellen überhaupt leisten?

Grosse Das Theater muss und kann sich so etwas leisten. Vergessen Sie nicht, dass Christian Tombeil bereits die Aufgaben eines Operndirektors wahrgenommen hat. Und Gehrt und Hänig sind neue Kollegen, die künstlerisch arbeiten werden. Dadurch sparen wir eine Menge an Gäste-Gagen. Außerdem erbringen die Direktoren Leistungen, die weit über das Inszenieren hinaus gehen.

Wenn Sie als Intendant ihren Dienst beginnen, wird das Theater bald auch eine neue Rechtsform bekommen. Was versprechen Sie sich von der Änderung?

Grosse Der Rechtsformwechsel entspricht ja dem Actori-Gutachten und ist im Hinblick auf flexibles Wirtschaften, Steueraspekte und eine erweiterte Selbstständigkeit der VSB sicherlich sinnvoll. Wesentlich erscheint mir, dass der Prozess des Rechtsformwechsel mit größtmöglicher Behutsamkeit, Transparenz und Sicherheit für den Theaterbetrieb einhergeht, um unnötige Verunsicherungen in der Belegschaft zu verhindern und das Theater in seinem jetzigen Leistungsvermögen perspektivisch sowohl zu sichern als auch weiterzuentwickeln.

Petra Diederichs führte das Gespräch.

Quelle: RP

 
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