Krefeld: Joana Horch (FDP): "Angst vor der Gemeinschaftsschule"
zuletzt aktualisiert: 10.05.2010 - 10:53Krefeld (RPO). Am Ende des Tages stehen FDP-Fraktionschef Joachim C. Heitmann und einige Jungliberale vor dem Rathaus und reden, und reden, und reden. Wahlanalyse bei 10 Grad Celsius. Rein ins warme Rathaus wollen sie nicht mehr. Zu groß die Enttäuschung über das Ende der gelben Mitherrschaft in NRW.
Ärgern wollen sich die beiden Kandidatinnen Joana Horch und Kerstin Jensen allerdings auch nicht. "Wir fahren jetzt los, Wahlplakate abhängen", sagt Joana Horch, und ihre Truppe folgt. Die FDP beendet den arbeitsreichen Wahlkampf – mit Arbeit.
Zuvor hatten die Liberalen von 18 Uhr an bangen Blickes die Wahl im Rathaus verfolgt. Mit ihnen im Rathaus: rund 30 Krefelder Bürger, viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Nach der Verkündigung der ersten Hochrechnung herrscht eine nachdenkliche Ruhe unter den Liberalen: "Ich bin nicht enttäuscht von unserem Ergebnis", sagte Joana Horch schon wenige Minuten später. Sie verspüre allerdings als angehende Lehrerin "Angst" vor der rot-grünen Gemeinschaftsschule: "Ich möchte an einer solchen Schule eigentlich nicht unterrichten." Stets an ihrer Seite: Vater Harald und Mutter Regina Horch (arbeitet als Geschäftsführerin der FDP-Fraktion), sowie viele Mitglieder der Jungen Liberalen. Ins Rathaus fanden die Julis problemlos Einlass - anders als bei der FDP-Veranstaltung mit Westerwelle im Seidenweberhaus. Wegen der strengen Kleiderordnung hatten die Sicherheitsmänner einem Krefelder Juli-Mitglied keinen Einlass gewährt.
Die FDP-Kandidatin im Wahlkreis Krefeld II, Kerstin Jensen, verfolgte die ersten Hochrechnungen im Auto, Höhe St. Tönis, auf dem Weg zum Krefelder . "Ich war gleich riesig enttäuscht", sagte die alleinerziehende Mutter. Die Krefelder FDP habe das Ergebnis zumindest halten können. "Und ich persönlich bin froh, dass ich ein besseres Ergebnis als die Linke einfahren konnte."
FDP-Fraktionschef Joachim C. Heitmann bedauert das Landes-Ergebnis: "Rüttgers war ein fähiger Ministerpräsident. Aber die Griechenland-Krise hat das Wahlverhalten stark beeinflusst. Die FDP gehört mit diesem Wahlergebnis für mich nicht zu den Verlierern."
Heitmann wartet jetzt gespannt darauf, was das Landesergebnis für Krefeld bedeutet. Er spekulierte, ob CDU und SPD beim demnächst zu beschließenden Sparpaket in Krefeld gemeinsame Sache machen. "Nach der Steuerschätzung geht es in Krefeld ans Eingemachte. Es wird spannend sein, wie sich da die Mehrheiten finden." Mit Sorge erwartet er die Entwicklung rund um das Steinkohlekraftwerk. "Was die Wahl für das Kraftwerk bedeutet, ist jetzt die ganz große Frage."
Macht Hannelore Kraft das Kraftwerk zum jetzt Kraft-Werk? Diese Frage treibt besonders die FDP als großer Fürsprecher der Milliardeninvestition um. Die Skepsis überwog bei den Liberalen gestern deutlich.
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