Krefeld: Johnny lässt das Biest raus
VON PETRA DIEDERICHS - zuletzt aktualisiert: 16.09.2008Krefeld (RPO). Drei Zugaben forderte das Publikum nach der Premiere von „Johnny Cash – The Beast in Me“.
Die Inszenierung
Darsteller Joachim Henschke, Etsher Keil, Tobias Wessler.
Musiker Willi Haselbek, Olaf Scherf.
Regie Matthias Kniesbeck.
Ausstattung Janine Hoffmann.
Vorstellungen Bis Jahresende sind alle Vorstellungen ausverkauft. Das Theater bemüht sich um Zusatztermine.
In Reihe drei sind sie zuerst kaum wahrnehmbar: Vibrationen, die den Boden des TaZ durchströmen. Als der Mann in Schwarz auf der Bühne „Don’t take your guns to town“ singt, werden die Wellenbewegungen unter den Füßen stärker. Auch umliegende Reihen sind bereits betroffen. Bei „Walk the Line“ kündigt sich ein Beben an. Rund anderthalb Stunden später bricht ein Gewitter im Kleinen Saal der Ausweichspielstätte los. Pfiffe gellen, Füße ertrampeln sich Zugaben. Und auch nach dem dritten Zusatz-Song giert das Publikum noch einem weiteren „Ring of Fire“: Johnny Cash hat sie außer Rand und Band gesetzt .
Lebensgeschichte mit Musik
Mathias Kniesbeck hat schon King Elvis ein in Krefeld vielbejubeltes Revue-Denkmal gesetzt. Nun wird der raubeinige Poet der Landstraße ein Star im Spielplan werden. „Johnny Cash – The Beast in me“ – bis Jahresende sind bereits alle Veranstaltungen ausverkauft.
In dieser Lebensgeschichte steckt Musik. Songs wie „Hurt“ oder „I Walk the Line“ , die James Edward Lyons Stück in Bezug setzt zu dem Tod seines Bruders, den Johnny Cash niemals verwunden hat, zu den Abstürzen mit Pillen und Alkohol, zu den auslaugenden Touren über endlose Highways, zu den Gewaltausbrüchen, offenbaren ihren tieftraurigen Kern. Zu den berührendsten Momenten des Abends gehört die Szene, in der Joachim Henschke mit zitternden Händen und Lippen „The Beast in Me“ besingt. Da legt ein großer Mann auf dem Tiefpunkt seines Lebens sein Inneres bloß – nur eine Armeslänge von der ersten Reihe entfernt.
Aber er ist auch ein Showmann, der auf der Bühne alles gibt. In June Carter (Esther Keil) hat er seine kongeniale Partnerin. Sie streiten und schlagen sich, sie halten zusammen – und wenn das Scheinwerferlicht angeht, feiern sie „Jackson“. Esther Keil schillert in allen Farben der Country-Queen: als überkandideltes Comedy-Gör, als verzweifelte Ehefrau, die unter den Exzessen und Drogenräuschen leidet, und als Star der Bühne. Tobias Wessler klingt nicht nur gut, wenn er Jimi-Rodgers-Songs zur Gitarre singt. Wenn das Trio mit den Musikern Willi Haselbek und Olaf Scherf in Fahrt kommt, dann fliegen die Funken ins Publikum. Dann klopft der Boom-Chakka-Boom-Sound durch alle Reihen des Publikums.
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