Krefeld: Jugendarrest für Angriff auf Afrikaner
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 26.03.2008Krefeld (RPO). „Ich weiß nicht ganz genau, ob ich ihn mit der Flasche geschlagen habe. Aber ich glaube, ich war das wohl mit der Flasche – und wenn, tut es mir Leid.“ Handschriftlich hat Sandra S. diese Sätze hinter ihr Vernehmungsprotokoll beim Staatsschutz geschrieben. Im Gerichtssaal 49 des Krefelder Amtsgerichts wollte sie gestern, gut ein Jahr später, davon kaum etwas wissen.
Unter Druck der Polizei habe sie das geschrieben. Es entspreche nicht der Wahrheit. Sie sei unschuldig. „Es ist nicht auszuschließen, dass sich das Opfer selbst am Kopf getroffen hat. Da muss freigesprochen werden!“ Der Anwalt der 19-jährigen Krefelderin konnte sich mit seinem Plädoyer nicht bei der Jugendrichterin am Amtsgericht durchsetzen.
Sie verurteilte S. wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung zu einer Woche Dauerarrest – und zur Teilnahme an einem sozialen Trainingskursus der Jugendgerichtshilfe. „Ich möchte Ihnen mit dem Strafmaß das Unrecht Ihrer Tat vor Augen führen – und erzieherisch auf Sie einwirken, damit Sie lernen, wie sich Konfliktsituationen entschärfen lassen“, erklärte die Richterin. Sie wendete dabei das milde Jugendstrafrecht an.
Die Angeklagte mit den strohblond gefärbten Haaren, den kajal-umrahmten Augen und dem streng gebundenen Pferdeschwanz hat nach Ansicht des Gerichts vor etwas mehr als einem Jahr einen 30-jährigen dunkelhäutigen Kameruner am Hauptbahnhof beleidigt und ihm anschließend in einer Straßenbahn der Linie 041 mit einer Weinflasche auf den Schädel geschlagen. Der Mann erlitt eine stark blutende Platzwunde, musste mehrere Tage im Krankenhaus verbringen.
Der 21-jährige Freund der Angeklagten wurde gestern wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 13 Euro verurteilt. Er soll den Kameruner gemeinsam mit seiner Freundin vor der Bahn angepöbelt haben. Auch sein Anwalt hatte auf Freispruch plädiert – vergeblich.
Der Staatsschutz ordnet das Pärchen auf der Anklagebank der rechten Szene zu. Im Gerichtssaal nahmen gestern im Zuschauerbereich rund 40 Personen Platz, die bei anderen Gelegenheiten üblicherweise von einer Hundertschaft Polizisten auseinandergehalten werden: Bekannte der Angeklagten, Mitglieder der rechten Szene – mit einem silberfarbenen Panzer als Gürtelschnalle oder Aufnähern auf der Jacke, die deutsche Wehrmachtssoldaten als Helden glorifizieren –, saßen auf engstem Raum direkt neben Mitgliedern der Antifa und der DKP.
Gemeinsam verfolgten sie in der vierstündigen Gerichtsverhandlung, wie unterschiedlich verschiedene Zeugen das Geschehen an jenem Donnerstagabend im Februar 2007 interpretierten.
Gleich zwei widersprachen ihren Aussagen im Vernehmungsprotokoll, bei den Tätern habe es sich um Nazis beziehungsweise Rechtsextremisten gehandelt. Der ebenfalls als Zeuge geladene Polizist bekräftigte, dass diese Worte so gefallen seien.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







