Krefeld: Kathstede: "Alles kommt auf den Prüfstand"
VON JENS VOSS UND MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 15.01.2010 - 16:57Krefeld (RPO). Oberbürgermeister Gregor Kathstede (CDU) hat am heutigen Freitag die Bürger auf einen "ganz harten und ganz konsequenten" Sparkurs eingestimmt. Die Krefelder würden "spürbare Einschnitte" merken. "Nach einer ersten Prognose müssen wir in diesem Jahr rund 60 Millionen Euro einsparen." Das entspricht dem gesamten Kultur- und Sportetat.
Dabei dürfe es "keinerlei Tabus" geben, so Kathstede, "alles kommt auf den Prüfstand". Zurzeit durchforste eine fünfköpfige Arbeitsgruppe aus Fachbereichsleitern alle Bereiche der Verwaltung und der Stadt. Sie soll Vorschläge unterbreiten, wie sich Ausgaben senken und Einnahmen steigern lassen.
Die Lage sei dramatisch: „Die Krefelder Politik muss sich entscheiden, ob die Bürger auf renovierten Straßen zu kaputten Schulen oder auf kaputten Straßen zu renovierten Schulen fahren.”
Kathstede will eine Kürzung nach der Rasenmähermethode vermeiden. Und er will Investitionssignale setzen. "Es muss genauso spürbar sein, dass wir gezielte Investitionen tätigen." Investiert werden solle in die Bereiche Bildung, Infrastruktur, Stadtbild und Sport. Den Kulturbereich sparte Kathstede in seiner Aufzählung ausdrücklich aus. Kathstede betonte, dass das Haushaltsloch nicht hausgemacht sei.
"Wegen der Wirtschaftskrise brechen die Einnahmen weg." Zusätzlich erschwert werde die Lage durch das Landesgesetz zur Kinderbetreuung, das die Kosten den Kommunen aufbürde. "Da wird es bald eine Klage des Städtetages gegen das Land NRW geben."
Krefeld stehe im Vergleich zu Mönchengladbach (prognostiziertes Haushaltsloch: 200 Millionen Euro), Essen (400 Mio. Euro) und Düsseldorf (100 Mio. Euro) vergleichsweise gut da. Am 14. April wird der Haushalt im Stadtrat eingebracht.
Überraschend deutlich sprach sich Kathstede für den Bau eines neuen großen Einkaufscenters in der Krefelder Innenstadt aus. Der Immobilienkonzern ECE plant, ausgehend vom ehemaligen Horten-Gebäude, ein rund 25.000 Quadratmeter großes Shoppingcenter zu bauen.
ECE will Ende Januar die Fraktionsvorsitzenden im Rat über seine Pläne informieren. Der Kaufhof am Ostwall schließt Ende Juni.
Bislang waren drei Varianten im Gespräch. Kathstede favorisiert die Variante, die entlang der St.-Anton-Straße von Horten aus über Lohstraße und Königstraße bis zum C&A-Gebäude reichen würde. Kathstede: "Ich glaube, wenn es uns nicht gelingt, einen ganz markanten Punkt zu schaffen, dann wird es der Krefelder Einzelhandel künftig schwerer haben".
Krefelder Einzelhändler haben die Befürchtung, dass ein solches Shoppungcenter Teile der Innenstadt veröden lässt und der Entwicklung der City mehr schadet als nutzt.
Den ausführlichen Bericht über die Pläne des Oberbürgermeisters lesen Sie in der Wochenendausgabe der RHEINISCHEN POST.
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