Krefeld: Katja Riemann singt Rammstein
zuletzt aktualisiert: 08.10.2010 - 10:16Krefeld (RPO). Schauspielerin Katja Riemann spricht im Interview über ihre Auftritte unter dem Titel "Friedensreich", bei denen sie zusammen mit Arne Jansen Texte von Sibylle Berg liest und Rammstein singt, und was es ihr bedeutet das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen zu haben.
"Doitschlandabend" schreiben sie mit oi – wie die Punks und Hooligans, Das zeigt: Es wird kein kuscheliger Heimatabend werden. Welches Deutschlandbild wollen Sie zeigen?
Riemann Mein Abend heißt zunächst einmal "Friedensreich" und der Untertitel beschreibt dann, was da inhaltlich ungefähr auf einen zukommen könnte. So wie bei den Privatfernsehern es so Filme gibt, die heißen "Sarah" und der Untertitel ist dann "zur Lüge genötigt, verurteilt zur Angst." Da weiß man dann schon, um was es geht und muss den Film quasi nicht mehr sehen, das ist bei mir dann wiederum anders, Deutschland ist ein weites Feld, also: come in and find out.
Wenn Sie Deutschland den Puls fühlen, welche Werte messen Sie da?
Morgen in Krefeld
"Friedensreich": Am morgigen Samstag, 9. Oktober, 20 Uhr in der Friedenskirche.
Riemann: Geboren am 1. 11. 1963; Schauspielerin, Sängerin, Kinderbuchautorin, Unicef-Botschafterin. Zwischen 1987 und 1989 spielte sie an den Münchner Kammerspielen; Filme: "Abgeschminkt" (1992), "Der bewegte Mann" (1994), "Stadtgespräch" (1995), "Die Apothekerin" (1996), "Agnes und seine Brüder" (2004).
Auszeichnungen: Adolf-Grimme-Preis, Bambi, Deutscher Filmpreis.
Riemann Wo ist denn der Puls Deutschlands – also mal geographisch betrachtet?
Die Autorin Sibylle Berg und die für harte Rhythmen bekannte Gruppe Rammstein als Basis für dieses Programm zu wählen, haben Sie selbst als kühn bezeichnet. Was reizt Sie an dieser Kombination?
Riemann Verzeihen Sie, wenn ich das sage, aber die Basis dieses Programms sind nicht die "harten Rhythmen" Rammsteins, sondern letztlich deren Texte, die inhaltlich mit den Texten von Sibylle Berg, zumindest unter gewählter Prämisse, erstaunlich gut zusammen gehen. Das, was ich als "kühn" empfand, seinerzeit, als wir begannen, war, die passenden Arrangements zu finden, wenn man aus einer Band besteht, die Arne Jansen und Katja Riemann heißt, und sich in Besitz von drei verschiedenen Gitarren, einem Glockenspiel und einer Melodica befindet. Aber es geht – und wie!!! (Mein Toningenieur würde jetzt sagen: "Ja! Das muss so laut.")
Sie kündigen auf Ihrer Internetseite an, dass Sie ausloten wollen, was in den Schrebergärten, in den Boutiquen und im Theater tatsächlich los ist. Darf das Publikum ganz neue Perspektiven erwarten?
Riemann Ich sage nicht, dass ich "ausloten" will, o no. Ich frage nur: was ist da los. Wir beschreiben Situationen in unserem Abend, bei denen man unter Umständen den Eindruck bekommt, man wäre selbst gemeint. Die Frage ist: erträgt man das? Kann Provokation auch Humor provozieren. Und warum sitzt in Deutschland soviel Neurose in der Identität. Und woran liegt es, dass in (beispielsweise) Kiel das Publikum unseren Abend mit Gelächter, Stille, Konzentration und großer Begeisterung aufnimmt, hingegen in (beispielsweise) Weimar die Leute reihenweise rausgehen. Es ist nicht schön, wenn Leute rausgehen, aber erstaunlich, dass man sie mit so wenig Mitteln anscheinend so dermaßen provozieren kann.
Gerade hat der Bundespräsident Christian Wulff Ihnen das Bundesverdienstkreuz verliehen. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Riemann Ich fühle mich geehrt. Ich wurde in illustrer Runde geehrt und bin dankbar und auch etwas fassungslos, dass ich in selbige eingeladen wurde. Was jedoch das Wesentlichste ist, ist, dass sich dadurch vielleicht für meine menschenrechtliche Arbeit gerade im Hinblick auf die NGO Tostan, Senegal, einiges ändern kann, bzw. dadurch Dinge möglich sind oder eine breitere Öffentlichkeit sich dafür interessierte. Was mich ganz besonders freuen würde, denn ich glaube fest daran... ach Quatsch, ich glaube... ich weiß, dass Tostan im gesamten afrikanischen Kontinent unglaublich Dinge wird bewegen können. Nur ein Beispiel: bis zum Jahre 2015 hat Tostan sich vorgenommen die Beschneidung bei Mädchen im Senegal abzuschaffen. Im Jahre 2012 wird das Wirklichkeit werden. Mittlerweile arbeitet Tostan in acht weiteren afrikanischen Ländern. Molly Melching, die Präsidenten Tostans sagte mir im Februar, als ich sie besuchte: "To abandon FGC in Africa – is possible in our lifetime!" (Mädchenbeschneidung in Afrika abzuschaffen ist möglich, in unserer Lebenszeit.)
Petra Diederichs führte das Interview.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



