Krefeld: Katja Riemanns blasse Vorstellung
VON MOJO MENDIOLA - zuletzt aktualisiert: 11.10.2010Krefeld (RPO). Der Doitschland-Abend der Schauspielerin in der Friedenskirche blieb blass. Das lag weniger an den Talenten von Katja Riemann als vielmehr an den nichtssagenden Texten der Autorin Sibylle Berg. Einige Zuhörer blieben nicht bis zum Ende – aus Langeweile.
Einblicke, Denkanstöße und Polarisation waren versprochen, als Katja Riemann am Samstagabend in der Friedenskirche ihren "Doitschland"-Abend gab. Aber wo blitzt, bitteschön, noch ein Licht auf, wenn eine Darstellerin, die nicht nur, aber auch vom deutschen Fernsehen lebt, es zum hunderttausendsten Mal als dümmsten aller möglichen Zeitvertreibe herunterputzt? In dem Umstand vielleicht, dass diese Leugnung ganzer Sender aus der Feder der ihrerseits im Fernsehen herumgereichten Autorin Sibylle Berg stammt? Und was ist gewonnen, wenn die Flucht kleiner Leute vor einer unüberschaubar gewordenen Welt in geordnete Schrebergarten-Idyllen unter Verwendung vulgärer Vokabeln als Spießertum gegeißelt wird, während Ursachen und Urheber für das Aus-den-Fugen-Geraten der Welt nicht einmal andeutungsweise vorkommen?
Die Beteiligten
Sibylle Berg arbeitet als Roman- und Theater-Autorin, gilt als "kultige Pop-Literatin" und "Fachfrau fürs Zynische".
Die Band Rammstein benannte sich nach dem Ort Ramstein, wo 1988 während einer militärischen Flugschau 70 Menschen in einer Feuerwalze ums Leben kamen. Feuer spielt auch in ihren Bühnen-Shows eine große Rolle.
Provinzialismus in den Köpfen
Das ist vor gut 40 Jahren, als man mit geschliffenem Sprachwitz frotzelte und das Spießertum als Nährboden und Nachgeburt des 1000-jährigen Reiches beim Namen nannte, schon tausendmal besser gelungen. Und was hilft es, wenn man die Castrop-Rauxels dieser Republik als postindustriell aufgehübschte Provinznester denunziert, wenn man kein Wort über den Provinzialismus in den Köpfen so mancher Entscheidungsträger oder -vortäuscher in den Hauptstädten verliert? Nur vereinzelte Lacher im Publikum waren an diesem Abend zu verzeichnen, zum Beispiel als in einer Boutique-Szene die notorische Kundenfeindlichkeit deutschen Verkaufspersonals auf die Schippe genommen wurde.
Schön war auch die Stelle von der "Ostsee, die kein Meer ist, aber gern eins wäre, die gern mehr wäre so wie Deutschland, an dem sie liegt." Ansonsten waren die Texte der Sibylle Berg ziemlich nichtssagend und überflüssig, und die Provokationen von Rammstein dürften wohl am ehesten in die Rubrik Marketing einer ansonsten ziemlich einfallslosen Band gehören.
Die Riemann überzeugte
Kein Zweifel: Katja Riemann überzeugte als Rezitatorin und Sängerin, Gitarrist Arne Jansen als exzellenter Theatermusiker, der seine Instrumente pseudoromantisch schmeicheln lassen, aber auch den düsteren Rammstein-Sound auf sechs Saiten destillieren konnte. Und Florian Zander lieferte ausgezeichnete Arbeit als Tontechniker und Zuspieler vorproduzierter Sequenzen.
So spendete denn das Publikum nach 100 pausenlosen Minuten auch genug Beifall für eine Zugabe. Aber wie schon zuvor in anderen Spielorten verließen auch in Krefeld einige Gäste die Vorstellung schon vor dem Ende – ihren Gesichtern nach zu urteilen gänzlich unpolarisiert, einfach nur aus Langeweile.
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