Krefeld: Kein Abschluss: Und jetzt?
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 12.04.2007Krefeld (RPO). Die Zahlen sind alarmierend: 8,3 Prozent aller Krefelder Schulabgänger erreichen keinen Hauptschulabschluss. Fehlende Qualifikation muss nicht das Ende aller Job-Hoffnungen bedeuten. Auswege bieten Berufsbildungsträger.
Es war in der neunten Klasse, als Daniel Dell einfach keine Lust mehr aufs Lernen verspürte. Die Schule wurde langweilig, weil er immer weniger von dem verstand, was die Lehrer vorne redeten. Von da an blieb er dem Unterricht fern. Stattdessen hing er mit Freunden rum: „Heute ärgere ich mich darüber“, sagt der 17-jährige Krefelder. Daniel besucht nun eine Bildungsmaßnahme von Kreishandwerkerschaft und Internationalem Bund (IB). Am Preußenring macht er seinen Hauptschulabschluss nach Klasse neun nach, lernt parallel dazu erste Berufskniffe und hofft auf ein Praktikum.
Daniel ist nicht alleine: Die neue Statistik des Landesamtes für Statistik besagt, dass 2006 in Krefeld 8,3 Prozent aller Schüler (245 von 2939) an allgemeinbildenden Schulen keinen Hauptschulabschluss schafften. Tendenz: steigend. Denn noch im Jahr 1996 waren es nur 7,4 Prozent (173 von 2345), die den Hauptschulabschluss verfehlten. Krefeld liegt damit oberhalb des NRW-Schnitts. Durchschnittlich 6,6 Prozent aller Schüler im Land erreichen keinen Schulabschluss. 8,1 Prozent davon sind Jungen, 5,1 Prozent Mädchen. die Zahlen für Krefeld: 10,3 Prozent Schüler, 6,4 Prozent Schülerinnen.
Vergleichszahlen
Die Schulabschluss-Vergleichszahlen anderer Kommunen vom Landesamt für Statistik:
Mönchengladbach: 8 Prozent (297 Schüler) ohne Schulabschluss
Duisburg: 9,2 Prozent (526 Schüler) ohne Schulabschluss
Düsseldorf: 7,1 Prozent (406 Schüler) ohne Schulabschluss
Doch der fehlende Hauptschulabschluss muss nicht das Ende aller Job-Hoffnungen bedeuten. Erste Hilfe gibt es etwa bei der Agentur für Arbeit und bei der „Kommunalen Zentralstelle für Beschäftigung“. Auch die Kreishandwerkerschaft hilft: In einer gemeinsamen Bildungseinrichtung mit dem Internationalen Bund haben derzeit 120 Jugendliche die Möglichkeit, einen Beruf kennen zu lernen und parallel den Schulabschluss nachzumachen. Daniel ist einer davon. Christopher Sanders ein anderer. „Ich habe manchmal nicht genug gelernt“, sagt der 18-jährige Krefelder Christopher. Er lernt, um einen Ausbildungsplatz als Lagerist zu bekommen. „Ans Aufgeben habe ich nie gedacht. Jetzt habe ich hoffentlich die Chance, neu zu starten“. Anja Knoblich, Pressesprecherin der Bundesagentur für Arbeit, kennt Zahlen, die den Schülern Mut machen. Es gebe Chancen auf Vermittlung auch für Schüler, die den Abschluss nicht direkt schafften. Eines fällt jedoch auf: Während die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss steigt, war die Zahl der Bewerber ohne Schulabschluss von 2005 auf 2006 sogar rückläufig. Im Jahr 2004 war bei der Agentur für Arbeit der Höchststand an Bewerbern ohne Schulabschluss erreicht: fünf Prozent (196 Schüler). Im Jahr 2006 waren es hingegen nur drei Prozent (133 Schüler) aller Jobsuchenden. „Es ist schwer, diese Zahlen zu interpretieren“, sagt Knoblich. Für Daniel und Christoph könnte die Suche doch noch glücklich enden: mit Hauptschulabschluss und Lehrstelle.
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