Krefeld: KFC-Trennungsdrama, letztes Kapitel
VON OLIVER SCHAULANDT - zuletzt aktualisiert: 27.01.2012Krefeld (RP). Der KFC Uerdingen muss seinem im Dezember fristlos gekündigten Trainer Peter Wongrowitz statt bis zum 30. Juni 2012 nur für November und Dezember 2011 das Gehalt nachzahlen. Darauf verständigten sich die Anwälte der beiden Parteien am Donnerstag vor dem Krefelder Arbeitsgericht. Hintergrund: Wongrowitz soll Lakic beleidigt haben.
Im Rechtsstreit über die fristlose Kündigung des ehemaligen Cheftrainers Peter Wongrowitz beim KFC Uerdingen haben sich beide Parteien gestern bei einem Gütetermin vor dem Krefelder Arbeitsgericht auf einen Vergleich geeinigt.
Dieser sieht vor, dass Wongrowitz, den der KFC Anfang November zunächst beurlaubt und einen Monat später fristlos gekündigt hatte, noch die Monatsgehälter für November und Dezember ausbezahlt bekommt – insgesamt eine Summe von rund 5300 Euro brutto. Wongrowitz, der in Begleitung seines Anwalts erschienen war, stimmte dem zu, KFC-Anwalt Masberg erbat sich ein Recht auf Widerruf bis zum 9. Februar; da er diesen Vergleich vorgeschlagen hatte, dürfte der KFC wahrscheinlich auf einen Einspruch verzichten.
Firma mit zwei Spielern
Den Chef beleidigen
Wer seinen Chef beleidigt oder Lügen über ihn verbreitet, kann seine Stelle verlieren. So entscheiden die Arbeitsgerichte oft – wenn sie überzeugt sind, dass die Beteiligten die gegenseitige Achtung nicht mehr aufrechterhalten können. Sind die Beleidigungen besonders hart, kann die Kündigung sogar fristlos ausgesprochen werden.
Es gibt aber auch Fälle, wo die Gerichte entschieden haben, dass eine fristlose Kündigung nicht gerechtfertigt ist – zum Beispiel in einem Fall, wo der Chef den Angestellten dazu provoziert hatte.
KFC-Anwalt Masberg begründete die fristlose Kündigung mit zwei wesentlichen Hintergründen: Am 30. November habe Kapitän Ersan Tekkan KFC-Boss Lakis informiert, dass Wongrowitz den Vorsitzenden bereits im Oktober gegenüber dem Spieler Monir Ibrahim und Physiotherapeut Christian André mit den Worten "dieses Arschloch, dem hau' ich aufs Maul" diffamiert und bedroht habe.
Zudem hatte Wongrowitz gemeinsam mit den ehemaligen KFC-Spielern Bastian Pinske und Dustin Hähner eine Firma in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet und über diese im Auftrag des KFC Fan-Artikel hergestellt und an den KFC verkauft. Das sei völlig legal gewesen.
Nicht erlaubt sei hingegen ein Direktverkauf gewesen, zu dem Wongrowitz den ehemaligen Betreuer der ersten Mannschaft, Sascha Jaskowski, und den KFC-Fan Franco Mola animiert habe. Dabei soll es sich um 150 KFC-Feuerzeuge gehandelt haben. Das Geld hätten die beiden an Wongrowitz' Mitgesellschafter Hähner übergeben. Ob das eingenommene Geld an den KFC weitergeleitet worden ist, blieb offen.
Wongrowitz, der seit dem 1. Januar beim 1. FC Kaan-Marienborn beschäftigt ist, sagte zu den Vorwürfen, dass Lakis seit dem Aufstieg vermehrt versucht habe, Einfluss zum Beispiel auf die Aufstellung zu nehmen.
Dies habe er sich verbeten. Zu den Fan-Artikeln sagte er, dass der KFC seinerzeit nicht in der Lage gewesen sei, sie selbst anzubieten – allein bei den Feuerzeugen habe der KFC 1000 Stück abnehmen müssen. Darum habe er sich mit seiner GbR dazu angeboten; pro Feuerzeug habe er dem KFC etwa 60, 70 Cent in Rechnung gestellt. Gleichzeitig räumte er ein, tatsächlich die beiden Genannten mit dem Verkauf beauftragt zu haben.
Unklar blieb, ob er tatsächlich die Feuerzeuge selbst verkaufen durfte; zwischen dem KFC und der GbR habe es lediglich mündliche Absprachen gegeben. Dagegen hatte Wongrowitz im Wege der Klageerweiterung noch Unterlassungsklage erhoben. Auch diese ist, wenn der KFC dem Vergleich zustimmt, vom Tisch.
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