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Krefeld: "Klinik-Konkurrenz ist gesund"

zuletzt aktualisiert: 07.04.2010

Krefeld (RPO). Interview Krankenhäuser, die überleben wollen, müssen Nischen suchen, meint Ottmar Köck. Als Regionalgeschäftsführer der St. Franziskus-Stiftung leitet er auch das St. Josefshospital in Uerdingen. Er schätzt, mindestens 200 Krankenhäuser in Deutschland werden verschwinden.

Im Wirtschaftsteil liest man: Es gibt zu viele Krankenhäuser. Wozu muss es das St. Josefhospital geben?

Köck Es gibt in Deutschland etwa 2200 Krankenhäuser. Studien besagen, dass zehn bis 30 Prozent der Krankenhäuser beziehungsweise der Betten in den nächsten zehn, 15 Jahren verschwinden werden. Das entspricht mindestens 200 Krankenhäusern. Alle Krankenhäuser tun gut daran, sich damit auseinanderzusetzen. Das St. Josefshospital ist ein typisches Stadtteil-Krankenhaus und für Uerdingen und Umgebung unverzichtbar.

Und wer wird zuerst verschwinden?

Köck Krankenhäuser, die sehr klein sind, die sich nicht spezialisieren und keinen großen Träger finden, werden es schwer haben. Andererseits muss man auch sehen: Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 17,5 Millionen Menschen in Krankenhäusern versorgt. Diese Zahl wird nicht kleiner werden, auch wegen der demographischen Entwicklung: Die Menschen werden immer älter.

Vor fünf Jahren hat die St. Franziskus-Stiftung das St. Josefshospital übernommen. Wie war das Haus damals aufgestellt?

Köck Das Haus war in einer gewissen Schieflage – die Belegungssituation war nicht befriedigend und die medizinische Qualität nicht auf dem neuesten Stand. So etwas entwickelt sich in einem schleichenden Prozess. Im Ganzen hat das Krankenhaus damals erhebliche Betriebsverluste hinnehmen müssen.

Und wie steuert man den Tanker um?

Köck Wir haben die Spezialisierung vorangetrieben. Mit Dr. Wilhelm-Ulrich Schmidt und Dr. Jens Westphal haben wir zwei Chirurgen, die neueste minimal-invasive Operations- und Tumorchirurgie-Techniken beherrschen, wie sie bei Prostata-Operationen wichtig sind. Auch mit Prof. Tobias Zekorn, unserem Internisten, Dr. Peter Mann, unserem Orthopäden, und Dr. Reinhard Becker, unserem Gynäkologen, haben wir solche Leuchtturm-Mediziner. Aber auch die Breitenversorgung für ein wohnortnahes Angebot bleibt wichtig.

Wie bestehen Sie neben einem Großklinikum wie Helios, das Millionen-Investitionen stemmt?

Köck Eine solche Konkurrenzsituation führt meist nicht dazu, dass ein Krankenhaus vom Markt verschwindet. Sie löst vielmehr Innovationsdruck aus. Das führt dazu, dass die übrigen Krankenhäuser sich entsprechend anders positionieren, Nischen suchen, ihre Spezialisierung vorantreiben. Daneben spielen auch andere Faktoren eine Rolle: Dinge wie Zuwendung zu den Patienten und der Geist eines Hauses. Bei uns sind unsere Patienten halt keine Fallnummern, sondern wir kennen jeden mit seinem Namen.

Dennoch hört sich das, was Sie sagen, nicht nach einem dramatischen Umbruch an.

Köck Das ist auch nicht die Philosophie des Trägers. Man muss solche Änderungen mit Augenmaß machen, um alle Mitarbeiter mitzunehmen und den gesamten medizinischen Betrieb effektiver zu machen. Im Übrigen ist das keineswegs wenig, sondern ein kontinuierlicher Prozess.

Und wie spricht sich herum, dass sich in einem Krankenhaus etwas bewegt?

Köck 80 Prozent der Patienten kommen über einen Einweiser, also einen niedergelassenen Arzt. Ihn gilt es einzubinden. Die Krankenkassen begleiten die Qualität und die Ergebnisse in den Krankenhäusern sehr genau und befragen ihre Patienten. Die Ergebnisse sind öffentlich zugänglich. Und wenn unsere Häuser in Kamp-Lintfort, Uerdingen und Meerbusch jährlich 2000 Endoprothesen-Operationen an Schulter, Hüfte und Knie vornehmen, dann ist das eine Schlagzahl, eine Kernkompetenz dieser drei Häuser, die sich herumspricht. Eine andere Schiene ist der persönliche Kontakt.

Das heißt: Die Krankenhausärzte müssen Marketing betreiben.

Köck Im Prinzip ja. Denn jeder muss mithelfen, dass das Krankenhaus seinen guten Ruf festigt und ausbaut.

Wie sicher ist der Bestand des St. Josefhospitals heute?

Köck Die Zukunft ist sicher; wir sind auf einem guten Weg und können wieder in die Klinik investieren.

Jens Voß führte das Gespräch.

Quelle: RP

 
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