Krefeld: Klinikum: Therapie Neubau
VON DIETER HILLA - zuletzt aktualisiert: 07.12.2006Krefeld (RPO). Stolz und Existenzsorge liegen eng beeinander, wenn es ums Krefelder Klinikum geht. Um die Stärken und Risiken des Hauses ging es bei einer Podiumsdiskussion, zu der die Gewerkschaft verdi eingeladen hatte.
„Krefeld ist Spitzenreiter in der Krankenhauslandschaft von NRW“, lobte Dr. Stefan von Bandemer auf dem Podium. Auf 100 000 Einwohner umgerechnet würden in Krefeld mehr Patienten behandelt als in jeder Uniklinik von NRW. Auch die finanziellen Sorgen konnte von Bandemer nicht teilen. Die „base rate“ liege in Krefeld bei 2800. Das bedeutet, dass das Klinikum pro Durchschnittspatient 2800 Euro erhält. 2009, wenn die Fallpauschalen endgültig eingeführt sind, bekommt Krefeld pro Patient nur 2700 Euro. Diese 100 Euro einzusparen ist laut von Bandemer machbar.
Zudem werden laut von Bandemer die Chancen im Gesundheitsbereich völlig unterschätzt: „Wir sind in einer Wachstumsbranche.“ Eine Aussage, der Hermann Heil-Ferrari beipflichtete: „Das Klinikum ist für die nächsten 50 Jahre eine sichere Sache.“
Die Podiumsgäste
Dr. Stefan von Bandemer, Institut für Arbeit und Technik
Sylvia Bühler, Leiterin des verdi-Fachbereichs Gesundheit und Soziales
Hermann Heil-Ferrari, Beratungsgesellschaft Gesundheit und Soziales
Ulrich Hillekamp, Generalbevollmächtigter des Klinikum
Gregor Kathstede, Oberbürgermeister
Warum dann dennoch privatisieren? Diese Frage musste Oberbürgermeister Gregor Kathstede beantworten: „Wir haben nicht die Zeit abzuwarten. Es könnte gut gehen, aber auch nicht.“ Das Klinikum habe in den vergangenen Jahren ein Minus von 30 Millionen Euro eingefahren. Damit sei schon ein großer Teil der 50-Millionen-Rücklage aufgebraucht. Den zweiten Grund für die Suche nach einem Partner sieht Kathstede in der Verteilung des Klinikums auf viele alte Gebäude. Das verursache hohe logistische Kosten.
Eine Aussage, der von Bandemer zustimmte: „Sie können mit Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert nicht bestehen.“ Das sei aber überhaupt kein Grund, zu privatisieren. „Bei den Perspektiven, die das Klinikum hat, ist es überhaupt kein Problem, einen Investor für den Bau eines neuen Klinikums zu finden, von dem Sie das Gebäude dann anmieten.“ Der OB versprach, diese Möglichkeit zu prüfen.
Ist die Privatisierung nötig? Hillekamp zeigte sich optimistisch: „Ich habe noch nicht aufgehört, zu glauben, dass unser Haus grundsätzlich in der Lage sein müsste, allein zu überleben.“ Das aber geht nicht ohne große Einschnitte. „Wir haben täglich 300 000 Euro Personalkosten. Das sind 65 Prozent unserer Gesamtkosten.“ Andere Häuser kämen da mit weniger Geld aus. Gegen eine Privatisierung kündigte Sylvia Bühler großen Widerstand an: „Wir Arbeitnehmer haben nichts zu verschenken, vor allem nicht unsere Rechte.“
Zur Zusammenarbeit bereit zeigten sich die Arbeitnehmervertreter. „Führen Sie eine offene und ehrliche Diskussion. Zeigen sie sich unseren Vorschlägen nicht verschlossen“, forderte verdi-Sekretär Jürgen Pascha. Klare Aussagen zu den nötigen, schmerzhaften Einschnitten forderten die Zuhörer. Einschnitte, zu denen sich die Arbeitnehmervertreter bereit erklärten: Ein Notlagentarifvertrag ist vorbereitet, sagte Bühler.
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