Krefeld: Kneipensterben – die Gründe
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 08.01.2011 - 17:15Krefeld (RPO). Nach einer neuen Dehoga-Statistik mussten 23 Prozent der Gastronomen in Krefeld im Jahr 2010 ihre Kneipe aufgeben. Die Gründe sind oft hausgemacht, sagen Experten. Oft gilt immer noch: "Wer nichts wird, wird Wirt."
Es ist eine erschreckende Zahl für das Krefelder Gastronomiegewerbe: Nach einer Dehoga-Statistik sind im vergangenen Jahr 250 Krefelder Gastronomiebetriebe geschlossen worden, das sind 23 Prozent. "Innerhalb des Verbandes ist dies ein Spitzenwert", sagt Thomas Kolaric, Dehoga-Chef in der Region Nordrhein. Betriebsschließung bedeutet, dass der Unternehmer den Betrieb aufgibt, unabhängig davon, ob jemand den Laden übernimmt. Was sind die Gründe für das Krefelder Kneipensterben?
Für Kolaric liegt der Hauptgrund in der mangelnden fachlichen und kaufmännischen Erfahrung vieler Wirte. "Sie arbeiten mit knappster Kapitaldecke und überholten Konzepten", lautet sein Urteil. Ein Krefelder Gastronom sagt: "Die Dehoga fordert seit langem einen Wirtebrief, eine Qualifikation wie ein Meisterbrief im Handwerk. Im Grunde wäre das überfällig. Leider gilt für viele noch immer die Regel: ,Wer nichts wird, wird Wirt.'" Viele Immobilienmakler kritisieren aber auch, dass die Banken den Neugründern mittlerweile kaum noch Kredite gäben.
Sinkender Umsatz
Nach dem aktuellen NRW-Konjunkturbericht vom September 2010, an dem sich 168 Gastronomen aus Nordrhein-Westfalen beteiligten, meldeten mehr als 55 Prozent der Befragten weniger Gäste als im Vorjahr.
Dies schlug sich auch bei Umsätzen und Erträgen der Gastronomen nieder: 63 Prozent beklagten sinkende Erträge, 52,6 Prozent sinkende Umsätze.
"Es ist für Unternehmer im Gastgewerbe sehr schwer geworden, Drittmittel zu bekommen", räumt auch Kolaric ein. Was macht eine erfolgreiche Gastronomie aus? Wenn es keine absolute Traditionskneipe ist, sollten die Wirte auch bereit sein, rechtzeitig auf neue Trends umzuschwenken, sagt Kolaric. Bei vielen seien die Konzepte überholt und es fehle die Bereitschaft, Neues zu probieren. Der erfahrene Krefelder Gastronom, der mit Rücksicht auf seine Reputation bei den Kollegen nicht genannt werden möchte, sagt: "Wir haben in Krefeld ja einige Positivbeispiele von gelungenen Modernisierungen: das Klarsicht an der Moerser Straße, das Wirtshaus an der Alten Kirche oder das Café Extrablatt. Viele Kneipen seien aber in Krefeld zu "männlich". Sind die Krefelder keine Kneipengänger mehr? Statistiken zeigen: Anders als in anderen Großstädten tendiert der Krefelder zum "Cocooning", zum Einhausen auf dem Sofa.
In Krefeld sind außerdem die Wege von Kneipe zu Kneipe oft lang – die bekannten Namen sind über die Stadt verteilt. Einzige große Potenzialfläche ist der Großmarkt. Andere Städte bündeln ihre Gastronomie am Ort, Duisburg mit dem Innenhafen, Düsseldorf mit Altstadt und Medienhafen. Kolaric beobachtet die Regel, wonach der Prophet im eigenen Haus nichts mehr gelte – trotz vieler guter Krefelder Gasthäuser: "Man geht mittlerweile auch als Krefelder vielleicht eher nach Düsseldorf." Hat sich das Trinkverhalten geändert? Die Wirte sagen ganz klar: Ja. Der Frühschoppen ist längst out, unter der Woche trinken Berufstätige selten. Das große Geld wird in der Krefelder Gastronomie mittlerweile mit Frühstück gemacht, nicht mehr mit dem Pils für 1,40 Euro.
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