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Krefeld: Konzert in der Kufa: Spaßdiziplin mit Culcha Candela

VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 01.03.2010 - 16:12

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres füllten Culcha Candela die Krefeld Kulturfabrik. 1000 Zuschauer feierten zwei Stunden eine große Dancehall-Party. Warum kommt die Band bei Teenies so gut an? Ein Konzertbesuch mit Finn (10), seit einem halben Jahr Fan der Berliner Band.

Die Berliner Band Culcha Candela gastierte in der Krefelder Kufa. Das Publikum, vornehmlich Teenager, war begeistert.  Foto: Culcha Candela
Die Berliner Band Culcha Candela gastierte in der Krefelder Kufa. Das Publikum, vornehmlich Teenager, war begeistert. Foto: Culcha Candela

Der Abend beginnt stürmisch. Finn und sein Onkel warten eine halbe Stunde während des Orkans Xynthia in der Schlange vor der Krefelder Kulturfabrik. Die Menschen, die mit ihnen dort stehen, sind größtenteils 15 bis 25 Jahre alt, einige ältere Besucher sind auch darunter, sie begleiten ihren größtenteils jüngeren familiären Anhang.

Finn schweigt zunächst anmutig, sagt dann: „Cool, ist das voll hier. Hätte nie gedacht, dass die hier so viele Fans haben.” Es ist sein erstes großes Konzert, die neue CD von Culcha Candela bekam er zum Geburtstag geschenkt, der Onkel fragte, ob ihn der Neffe zu einem Konzert begleiten wolle. „Na klar, komme ich mit”, hatte der Zehnjährige mit einer der Altersgruppe entsprechenden Coolness erwidert.

Sein rock-affiner Onkel kannte Culcha Candela bis dahin nur aus dem Radio. Am Konzertabend wird er merken, wie viele Hits es mittlerweile von der Band gibt. Und er lernt, wie man die heutige Generation Grünschnabel packt: Culcha Candela machen Party mit einer Prise Protest, Weltmusik für eine besseres Diesseits. „Schöne neue Welt” ist die Tour betitelt ­ was 1932 bei Huxley wie eine Warnung klingt, ist in den Ohren heutiger Jugendlicher eine Botschaft der Hoffnung.

Im großen Konzertraum angekommen, kämpfen der kleine Finn und sein großer Onkel (1,92 Meter) sich bis in die erste Reihe vor. Dort erntet der Ältere der beiden wegen seiner für solch privilegierte Plätze überdimensionierten Größe mürrische Blicke. Vorschlag zur Güte an Finn: „Ich stehe da vorne bei dem Notausgang-Schild, wenn irgendwas passiert, komm‘ schnell nach hinten.” Der Neffe kann noch Nicken, dann geht es los.

Die Vorband Profetas, ein Mann-Frau-Duo aus Kolumbien, lässt die Beine mit Dub & Reggae wackeln. Zehn Minuten Pause, ein lauter werdendes Wummern aus dem Lautsprecher, die Bühne wird illuminiert, 1000 Kehlen kreischen, dann kommen Culcha Candela. Die sieben Mitglieder haben verschiedene kulturelle Wurzeln: Uganda, Polen, Kolumbien, Korea ­ vereint hat sie der kulturelle Schmelztiegel Berlin.

Und so klingt das auch: Culcha Candela machen Multi-Kulti-Dancehall-Rap, emotional ansteckend, textlich nicht unintelligent. Stellenweise klingen die Lieder aber wie das Wahlprogramm der Grünen für den Landtagswahlkampf. Sie sind sich nicht zu schade, einen Song „Solarenergie” zu nennen.

Ein anderer heißt „Africa Rise” („Afrika, stehe auf”). Davor teilt ein Bandmitglied mit, dass es am Eingang T-Shirts mit eben jenem Slogan zu kaufen gibt. Mit dem Erlös soll eine Berufsschule in Uganda gebaut werden.

Der Onkel denkt sich: Dass HipHop mal die Welt verbessert, hätte man vor zwei Stunden auch nicht gedacht. Er kann sich der Partystimmung von Liedern wie „Monsta”, „Somma im Kiez” oder „Eiskalt” nicht erwehren. Es sind die Momente der Solidarisierung von Band und Fans, die den Abend denkwürdig werden lassen. Culcha Candela lassen von der Bühne aus ein Erinnerungsfoto von sich mit allen Krefelder Fans im Hintergrund schießen. Sie animieren immerfort zum Mitmachen, bitten das Publikum, in die Hocke zu gehen, um Teil der „Culcha-Candela-Familie” zu werden.

Als der Onkel einer der letzten stehenden Menschen in der Kufa ist, zeigt ein Bandmitglied mit dem Finger auf ihn. „Runter”, soll das wohl bedeuten. Der Onkel, plötzlich befremdet von so viel Spaßdisziplin, macht gezwungenermaßen mit. Finn ist vorne längst in der Hocke.

Nachher sagt er: „Warum bist Du nicht gleich in die Hocke gegangen, hättest du dich nicht blamiert.” Der Onkel denkt sich: War nicht schlecht heute Abend, nächstes Mal wieder Rockmusik, dann bleib ich aber standhaft.


 
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