Krefeld: Kraftwerk-Büro im Pfarrheim
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 20.11.2009Krefeld (RPO). Im Hohenbudberger Pfarrhaus von St. Matthias, direkt neben dem Chempark, wird der Kraftwerksinvestor Trianel in wenigen Wochen sein Informationsbüro beziehen. Dies teilte das Aachener Stadtwerke-Netz am Donnerstag mit.
Die Liegenschaft an der Dorfstraße ist in Kirchenbesitz, die Büroräume sind vom Bistum Aachen angemietet. In Betrieb genommen wird die Geschäftsstelle vor Weihnachten. Pikant: Noch Ende Oktober hatte der Niederrheinische Umweltschutzverein (NUV) zu einer Veranstaltung gegen das Kraftwerk eingeladen – in die Pfarrkirche St. Matthias. NUV-Vorsitzender Ulrich Grubert hatte beklagt, dass durch den Hafenanleger der Blick auf die Kirche St. Matthias versperrt werde.
"Es kann nicht sein, dass die Sicht auf die älteste Kirche Krefelds zugebaut wird", kritisierte er damals.
Krefelds größte Einzelinvestition
Mit einem Volumen von rund einer Milliarde Euro ist das 750-Megawatt-Kohlekraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung die größte industrielle Einzelinvestition in der Geschichte der Stadt Krefeld. Zuletzt gab es aber wegen der neuen Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Projektes.
Das Unternehmen
Partner Trianel, ein Verbund von Stadtwerken mit Sitz in Aachen, handelt mit Strom und Erdgas. Mehr als 80 Versorger gehören als Partner oder Gesellschafter zum Trianel-Netzwerk. Diese wollen ein Gegengewicht zu den "großen vier" Energieunternehmen in Deutschland bilden.
Sprechstunden Am 7. Januar zwischen 17 und 19 Uhr soll es die erste Bürger-Sprechstunde geben, danach immer donnerstags.
"Der Ausstieg aus dem Atom-Ausstieg wird in Deutschland Investitionen in Milliardenhöhe verhindern", erläuterte noch Anfang Oktober der Sprecher der Trianel-Geschäftsführung, Sven Becker. Die neue Ankündigung der schwarz-gelben Bundesregierung, über den energiepolitischen Kurs nicht vor Oktober 2010 zu reden, wurde aber gestern überraschenderweise von Trianel nicht mehr kritisiert: "Das eine Jahr bis zur Entscheidung der Bundesregierung passt optimal in unseren Zeitplan", sagte Trianel-Pressesprecher Elmar Thyen.
Er rechnet damit, dass ohnehin bis zur Offenlegung und Anhörung noch ein Jahr verstreicht. "Die Verzögerung durch die abwartende Haltung des Krefelder Rates spielt uns also plötzlich in die Karten."
Nach RP-Informationen soll noch im ersten Quartal des kommenden Jahres das Projekt bei der Bezirksregierung offengelegt werden. Und auch bei einem Szenario der Verlängerung der Laufzeit von Kernkraftwerken könne das Uerdinger Kraftwerk noch wirtschaftlich betrieben werden, sagte Thyen.
Dass im Moment viele geplante Steinkohlekraftwerke in Deutschland auf der Kippe ständen, komme dem "hochmodernen" Krefelder Projekt mit Kraft-Wärme-Kopplung außerdem entgegen.
Derzeit läuft die europaweite Ausschreibung für das Kraftwerk. Und zwar "überaus Erfolg versprechend", urteilt Trianel-Geschäftsführer Martin Hector. "Vier Unternehmen sind aufgefordert, bis Mitte Februar Angebote abzugeben." Den abzugebenden Angeboten lägen die mehr als 500 Seiten umfassenden Ausschreibungsunterlagen zugrunde.
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