Krefeld: Kraftwerk: Freude und Sorgen
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 25.06.2009Krefeld (RPO). Bei einer Pressekonferenz drückten Trianel, Currenta und OB Kathstede nach dem Ratsentscheid die Zuversicht über den Bau des Kraftwerks aus. SWK-Chef Cirener stellte die Risiken dar, die eine Finanzierung behindern könnten.
Am Tag nach dem 84-Prozent-Votum des Krefelder Rates für das Steinkohlekraftwerk in Uerdingen haben gestern alle Projektbeteiligten ihre Zufriedenheit über die Entscheidung geäußert. Sven Becker, Sprecher des Trianel-Vorstands, sagte bei einer Pressekonferenz im Rathaus: "Mein Dank geht an die Politik, die sich die Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Ich verspreche: Das Kraftwerk wird eines der besten in Deutschland, wenn nicht das beste." Ob es gebaut wird, ist aber noch nicht sicher – für Garantien sei derzeit die Lage zu unübersichtlich, sagte SWK-Vorstandssprecher Martin Cirener.
Unwägbarkeiten bleiben
Eine Milliarde werden in Uerdingen investiert – davon sollen 187,5 Millionen Euro von den SWK kommen. Was noch fehlt, sei ein Businessplan, sagte Cirener. Wenig kalkulierbar ist die Finanzierung, weil noch politische Entscheidungen und wirtschaftliche Entwicklungen abgewartet werden müssen.
Entscheidungen
Bis Juli läuft die europaweite Vor-ausschreibung, auf die sich Generalunternehmer bewerben können. Parallel läuft das Genehmigungsverfahren. Der Fokus liegt auf der Erörterung des Kraftwerkprojekts, die für Anfang 2010 erwartet wird.
Mit einem Baubeschluss der Gesellschafter rechnet Trianel-Geschäftsführer Martin Hector im Herbst 2010. Parallel startet der Bau des Kraftwerks, 2014 soll es fertiggestellt sein.
Bedroht werden könnte das Kraftwerk von einer schwarz-gelben Bundesregierung. Wenn die nach der Wahl einen Rückzieher vom Ausstieg aus der Kernenergie macht, würde Energie aus Steinkohle weniger attraktiv, weil zu teuer. Die Strompreisentwicklung sei derzeit ohnehin wenig kalkulierbar, merkte Cirener an. "Wegen Kurzarbeit können wir beispielsweise derzeit einen Teil unseres eingekauften Stroms nicht verkaufen."
Außerdem bleibt abzuwarten, ob die Banken nach der Krise langsam wieder größere Kredite geben. Cirener: "Auf die Landesbanken kann man nicht mehr setzen." Viertens müssen Stromerzeuger demnächst ihre CO2-Emissionen mit Zertifikaten erkaufen – Strom aus Kohle wird teurer. Trianel-Vorstandssprecher Becker räumte die Unwägbarkeiten ein, versicherte aber, dass sein Unternehmen die feste Absicht habe, zu bauen. Er glaubt nicht, dass ein anderer Investor das Projekt stemmen könnte, falls Trianel das Geld nicht auftreibt – einen Verkauf wollte er dennoch nicht komplett ausschließen.
Trotz der Rest-Bedenken waren die Akteure im Rathaus gestern froh gestimmt. Allen voran Oberbürgermeister Gregor Kathstede, der in seiner CDU-Fraktion schon früh für das Kraftwerk geworben hatte: "Die Stadt kann die infrastrukturellen Rahmenbedingungen schaffen, der wirtschaftliche Erfolg ist von gesunden Unternehmen abhängig", sagte der Stadtchef.
Auch Dr. Stefan Dresely, Leiter des Chemparks, begrüßte die Entscheidung: "Das Kraftwerk wird helfen, den Chemiestandort wettbewerbsfähig zu halten. Die Entscheidung ist für die Arbeitsplätze im Chempark wichtig." Dresely versprach, ein Jahr nach Inbetriebnahme und reibungslosem Betrieb des Kraftwerks die alten Kessel abschalten zu lassen.
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