Krefeld: Kraftwerk spaltet Uerdingen
VON NATASCHA VERBÜCHELN - zuletzt aktualisiert: 22.12.2008Krefeld (RPO). Das Kraftwerk kommt. Die Mitarbeiter des Chemparks freuen sich. Die Stimmung in der Bevölkerung ist gespalten. Vehemente Gegner trifft man in Uerdingen nur vereinzelt , dafür gibt es viele sorgenvolle Minen.
„In Uerdingen ist doch schon genug Dreck. Unsere Gesundheit ist wichtiger als die Arbeitsplätze.“ Thomas Gosses ist verärgert über den Plan von Bayer und Trianel, den Bau eines modernen, leistungsstarken Kohlekraftwerks auf dem Gelände des Chemieparks genehmigen zu lassen. Das Steinkohlekraftwerk war am Wochenende in der Uerdinger Innenstadt Thema Nummer eins – doch mit seiner vehementen Ablehnung war Gosses offenbar in der Unterzahl. Bei den meisten Uerdingern herrschte vor allem Unsicherheit.
Skepsis bei Bürgern
Ende vergangener Woche akzeptierten Chempark und Kraftwerksbetreiber Trianel die Forderungen der Krefelder Politiker. Ein Jahr nach Inbetriebnahme des neuen Kraftwerk werden sie den alten Kohlekessel abstellen. Wenn die Bedingungen vertraglich geregelt werden, will sich nun auch die CDU für das Kraftwerk aussprechen. Die Bürger dagegen betrachteten die Entscheidung am Samstag mit Skepsis. „Ich bin zwiegespalten. Durch das neue Kraftwerk wird die Luft sicher nicht besser und schön sieht es auch nicht aus. Aber Uerdingen lebt von der Industrie und braucht die Arbeitsplätze. Ich weiß keine Lösung“, sagte eine Passantin, die ihren Namen nicht nennen wollte. „Wenn die Bedingungen der Politik erfüllt werden, finde ich die Entscheidung richtig. Bei den Emissionswerten muss man dann wohl Zugeständnisse machen“, sagt Gerd Flasdick. Ähnlich sahen dies auch Werner und Hannelore Duzaar: „Die Umwelt wird doch schon jetzt belastet. Alle wollen Strom, aber keiner das Kraftwerk.“
Problem für den Rhein?
Im Laufe der Kraftwerksdebatte ist der Artenschutz und die Belastung für den Rhein angesprochen wurden. Momentan gibt es dazu keine Aussagen von Seiten der Politik. Durch die Abführung von erhitztem Kühlwassers in den Rhein könnte das ökologische Gleichgewicht im Fluss gestört. Denn die Wassertemperatur bestimmt alle chemischen, physikalischen und biologischen Vorgängen wesentlich. Trianel benötigt eine Ausnahmeregelung von der Stadt, um dem Rhein Kühlwasser entnehmen und zuführen zu können.
Seit mehr als einem Jahr diskutieren die Krefelder Parteien intern und untereinander über den Bau. „Ich frage mich, ob der Nutzen des Kraftwerks wirklich beim Bürger ankommt. Die Politiker spielen mit verdeckten Karten und informieren uns nicht. Darüber bin ich enttäuscht“, beklagte Willi Schreiber.
Bei den Arbeitern im Chempark herrschte am Samstagmittag beim Schichtwechsel Erleichterung und Freude. Für viele der etwa 7000 Mitarbeiter bedeutet die Entscheidung der CDU die Sicherung ihres Arbeitsplatzes: „Seit Anfang des Jahres sorge ich mich um meinen Arbeitsplatz. Wenn das Kraftwerk nicht gebaut wird, macht der Chempark ganz dicht“, glaubt Peter Gerstenberger.
„Wir kontrollieren genau“
Sorgen um eine zusätzliche Umweltbelastung, teilen die Mitarbeiter im Chempark kaum: „Es kann nichts schief gehen. Der Umweltschutz hat bei uns höchste Priorität. Irgendwo muss der Strom ja herkommen und wir kontrollieren wenigstens genau“, betonte ein Mitarbeiten aus der Abteilung Umweltschutz.
Auch Arbeiter Ismet Demir vertraut auf die strengen Umweltrichtlinien in Deutschland: „Das Kraftwerk ist positiv für Krefeld. Es wird keine zusätzliche Belastung geben. Außerdem ist es sicherer als ein atomares Kraftwerk.“
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