Krefeld: Kraftwerk: Was plant Trianel?
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 17.06.2009Krefeld (RPO). Am Donnerstag bespricht die Gesellschafterversammlung die Finanzierung des Kraftwerks. Nach RP-Informationen bot der Aachener Konzern RWE eine Beteiligung an. Trianel will bei der Bilanzpressekonferenz die Zahlen sprechen lassen.
Wie bezahlt man ein Kraftwerk? Diese Frage werden sich morgen die Trianel-Gesellschafter stellen. Bei einer Versammlung wollen potenzielle Investoren klären, ob die Finanzierung für das Steinkohlekraftwerk trotz Krise gesichert ist. Sven Becker, Sprecher der Trianel-Geschäftsführung, glaubt fest daran. Erhärten will er die Absichten mit Zahlen bei der Bilanzpressekonferenz nächste Woche: "Wir steigern Umsatz, Eigenkapital und Gewinn. Deshalb sind die Behauptungen einer möglichen Insolvenz mehr als nur unseriös, zum Teil sind sie ganz offenkundig interessengeleitet", sagte er gestern der RP.
Becker bezieht sich auf zwei Attacken – eine politische und eine von Umweltschützern. CDU-Fraktionschef Fabel hatte in der vergangenen Woche Rechtssicherheit verlangt, falls Trianel insolvent ginge. Umweltschützer Ulrich Grubert, Vorsitzender des NUV, ging gestern in die Offensive und sagte, dass ihm gesicherte Erkenntnisse vorlägen, wonach Trianel dem Energieunternehmen RWE das Uerdinger Steinkohlekraftwerk für 50 Millionen Euro angeboten habe. Eine RWE-Sprecherin sagte auf RP-Anfrage: "Es hat Gespräche gegeben, ob wir uns am geplanten Steinkohlekraftwerk in Uerdingen beteiligen. Die Gespräche haben allerdings zu keinem Ergebnis geführt."
SWK und Trianel
Die Krefelder Stadtwerke sind an einem Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Hamm-Uentrop beteiligt. Von dort bezieht Krefeld 25 Megawatt Strom. Die Beteiligung an einem Trianel-Windpark auf Borkum hatten die SWK wieder abgesagt, weil die Finanzierung des Windparks nach Aussage der SWK nicht gesichert war. Am Trianel-Steinkohlekraftwerk in Lünen sind die SWK nicht beteiligt.
SWK: Kein Kommentar zu Trianel
In Krefeld beobachtet man den weiteren Prozess mit Spannung: SWK-Chef Martin Cirener wollte sich gestern nicht zum Projekt Steinkohlekraftwerk äußern. Hinter vorgehaltener Hand zweifeln manche Politiker noch immer am Finanzierungskonzept des Aachener Stadtwerke-Konglomerats. Sie befürchten, dass durch die Wirtschaftskrise die Geldgeber für das Steinkohlekraftwerk fehlen könnten. Mehr als eine Milliarde Euro soll es kosten. In Lünen, wo Trianel ebenfalls ein Kraftwerk baut, pumpt die WestLB noch Geld in das Projekt. Doch die Landesbank in Düsseldorf kann Kredite neuerdings nicht mehr ganz so locker verteilen. Becker aber sagt: "Unsere aktuellen Kostenschätzungen für das Kraftwerk im Chempark, die auf dem Niveau des Projektes in Lünen liegen, kommen zu dem Ergebnis, dass das Projekt wirtschaftlich entwickelt werden kann." Er merkte an, dass das Lünener Projekt, obwohl zeitgleich mit Krefeld gestartet, mittlerweile zwei bis drei Jahre vor Krefeld liege. "Für Lünen und die Region ist das ein Konjunkturpaket in mehrstelliger Millionenhöhe, das lokal weit größere Ausmaße hat, als alle Konjunkturpakete der Bundesregierung zusammen."
Die Krefelder Verwaltung arbeitet derzeit an ihren Hausaufgaben, für Hafenerweiterung und Steinkohlekraftwerk Anträge zu formulieren. OB Kathstede: "Wir haben gerade telefonisch konferiert und sind auf einem sehr guten Weg." Diesen guten Weg sieht auch Sven Becker: 22 Projektpartner, kommunale Stadtwerke wie regionale Energieversorger, seien derzeit am Steinkohlekraftwerk Uerdingen beteiligt – Tendenz steigend. Becker: "Aufgrund der Attraktivität des Standortes im Chempark haben weitere kommunale Energieversorger Interesse an der Beteiligung geäußert."
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