Krefeld: Krefeld braucht Kunden
VON DIETER HILLA - zuletzt aktualisiert: 07.05.2008Krefeld (RPO). Die Krefelder haben immer weniger Geld in der Tasche. Die Bürger einer der einst reichsten Städte Europas sind jetzt auf Durchschnittsniveau angekommen. Der Einzelhandel spürt das. Seine Rettung: Käufer aus dem Umland.
Joel Smolibowski, der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, freut sich nicht, wenn er auf die Kaufkraft in Krefeld angesprochen wird: „Die Leute haben immer weniger in der Tasche“, sagt er. Wissenschaftlich klingt das so: „100,2“. Das ist die aktuelle Kaufkraftkennziffer, die Cornelia Lichtner gestern nannte. Sie ist Sprecherin der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).
Voriges Jahr lag die Kaufkraft noch bei 101,3. Der Durchschnitt liegt bei 100. Geht es nach dem Infodienst Acxiom, liegt Krefeld schon darunter: 94,9. Seit Jahren sinkt die Kaufkraft der Krefelder. Eckart Preen, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WfG), nennt Gründe: „In anderen Städten ist der Dienstleistungssektor stärker ausgeprägt. In Krefeld hat das produzierende Gewerbe noch einen hohen Anteil.“
Kaufkraft
19 000 Euro hat jeder Deutsche einer neuen Studie zufolge jährlich zur privaten Verfügung.
Die Kaufkraftkennziffer gibt an, wie viel Nettoeinkommen im Jahr im Durchschnitt einem Einwohner zur Verfügung steht. Die Ziffer „100“ steht für die durchschnittliche Kaufkraft. Die Zahlen der Region aus 2007 (Quelle: IHK):
Meerbusch 146,2
Tönisvorst 112,9
Kempen 109,9
Krefeld 101,0
Mönchengladbach 100,5
Der Einzelhandel spürt, dass der Geldbeutel der Krefelder dünner wird. „Es ist schwer, dass sich der Einzelhandel voll entfaltet“, sagt Smolibowski. „Von dem Geld, das die Leute haben, müssen sie heute einen viel höheren Anteil für Energie und Lebensmittel ausgeben.“ Der Anteil für den Einzelhandel schrumpft noch stärker.
So attraktiv wie Düsseldorf
Dennoch kann Smolibowski gute Nachrichten aus dem Einzelhandel verkünden: „Einige Geschäfte haben im vorigen Jahr sogar ein Umsatzplus von 15 Prozent geschafft.“ Der Grund: Die Geschäfte leben von den Käufern, die nach Krefeld kommen. Laut Smolibowski liegt die Zentralitätskennziffer in Krefeld bei 121,6 Prozent – nur 0,3 Prozentpunkte unter Düsseldorf. Für Smolibowski ist klar: Die Krefelder Geschäfte brauchen das Umland, um die sinkende Kaufkraft der Krefelder auszugleichen.
Deshalb fordert er, dass die Stadt noch mehr Profil zeigt: „Wir müssen etwas bieten, was andere nicht haben.“ Für die Leute müsse klar sein, warum sie in Krefeld und nicht woanders einkaufen wollen. Smolibowski nennt einige Gründe: kurze Wege in der Innenstadt und attraktive Inhaber-geführte Geschäfte. Ein gutes Miteinander von Einzelhandel, Gastronomie und Kultur könnte die Innenstadt beleben. Smolibowskis Plädoyer: „Wir müssen die gesamte Innenstadt als Shopping-Center begreifen.“
Dazu sei ein professionelles Innenstadtmanagement nötig, das die Stärken des Zentrums und der Geschäfte gemeinsam nach außen verkaufe. Ein weiterer Wunsch Smolibowskis: Die Stadt solle gezielt auf hochwertige Immobilien setzen, um vermögende Bürger nach Krefeld zu locken.
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