Krefeld: Krefeld einzige Großstadt ohne ICE-Halt
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 30.11.2009Krefeld (RPO). Unter den 40 größten deutschen Städten ist bald nur Krefeld ohne Anschluss an den Bahn-Fernverkehr. Die Politik drängt auf eine bessere Berücksichtigung Krefelds – doch Experte sind pessimistisch.
Der 13. Dezember wird für Bahnkunden aus Krefeld ein schmerzhafter Tag – die Deutsche Bahn stellt dann ihren Fahrplan um. Die Nachbarstadt Mönchengladbach erhält an diesem Tag einen Intercity-Halt. Krefeld ist somit unter den 40 größten deutschen Städten die einzige ohne Bahn-Fernverkehr. Lange Zeit teilte die Seidenstadt das Schicksal mit der Nachbarstadt Mönchengladbach und Chemnitz – doch auch dort ist man durch den "Vogtland-Express" als Interregio-Ersatz neuerdings wieder direkt an Berlin angeschlossen. Selbst kleine Moselstädtchen wie Bullay (1500 Einwohner) oder Cochem (5200) haben einen Fernbahnhof.
Die IHK Mittlerer Niederrhein nimmt den Fahrplanwechsel zum Anlass, auf den Intercity-Anschluss zu drängen: "Krefeld braucht einen Fernbahnhof. Unsere Stadt verliert den Anschluss", sagt Bernd Neffgen, von der IHK Mittlerer Niederrhein. Bei Tagungsveranstaltungen der IHK würden sich die Gäste aus der ganzen Republik über die schlechte Anbindung Krefelds an den Fernverkehr beklagen. Neffgen: "Viele Krefelder Firmen würden sich das dringend wünschen." Auch die Krefelder Politik wurde in der Vergangenheit nicht müde, den Missstand des fehlenden Fernbahnhofs zu beklagen. Die CDU machte erst kürzlich wieder darauf aufmerksam, wie wichtig für Krefeld eine Anbindung an die immer noch zur Diskussion stehende Mitte-Deutschland-Verbindung sei.
Privatisierung
Neue Chancen bestünden für Krefeld allenfalls durch die wachsende Privatisierung im Fernverkehr. Ausländische Zugunternehmen drängen mit aller Macht auf den deutschen Markt. Frankreichs Staatsbahn SNCF (von Frankfurt nach Hamburg und Berlin) und der private Betreiber Locomore Rail (zwischen Köln und Hamburg) haben Anträge für den Betrieb von Fernzügen gestellt. Kühr sagt, er habe derzeit keine Kenntnis darüber, dass ein ausländischer Investor Krefeld in eine Fernverkehrsroute integrieren will.
Doch die Bahn macht aktuell wenig Hoffnung. Gerd Felser, NRW-Pressesprecher der DB: "Wir müssten Fernverkehre umlenken, man würde immer Düsseldorf außen vor lassen." Auch Hans-Theo Kühr, Verkehrsplaner aus Krefeld im Düsseldorfer Ingenieurbüro Vössing, glaubt nicht an Fernverkehrs-Halt in Krefeld: "Alle Hauptlinien gehen an Krefeld vorbei. Die Bahn wird immer darauf verweisen, dass sich eine solche Strecke nicht lohnt." Dies glaubt auch Lothar Ebbers, Sprecher von Pro Bahn in NRW. Er beobachtet, wie die Bahn schon jetzt viele Intercity-Verbindungen ausdünnt. Auch der neue Halt in Mönchengladbach und Rheydt (freitags und sonntags) hat für Ebbers nur "Alibifunktion". Seitdem dieser Halt besteht, seien für Krefeld die Chancen geringer. "Es gibt zu viele Intercity-Halte im Umfeld."
Hans-Theo Kühr regt deshalb an, intensiver darauf zu drängen, dass Krefeld per Straßenbahn oder Regionalexpress direkt an den Düsseldorfer Flughafenbahnhof angebunden wird. "Das wäre für die Stadt ein unglaublicher Gewinn."
Die Krefelder müssen sich vorerst damit trösten, dass sie auf Intercitys im Stadtbild nicht verzichten müssen. Die Züge kommen allerdings nur, wenn sie kaputt sind – zum Ausbessern ins Bahnbetriebswerk nach Oppum.
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