Krefeld: Krefelda wird operiert
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 17.08.2007Krefeld (RPO). Die Wasserschildkröte, die an einem Haken hängend im Stadtwald gefunden wurde, ist gestern untersucht worden. „Krefelda“, so taufte der Tierarzt sie, muss heute viel Sauerkraut essen, um den Haken auszuscheiden.
Die Schildkröte „Krefelda“ faucht, als Kornelis Biron durch ein transparentes Plastikrohr ein Endoskop in ihren Magen führt. Der Düsseldorfer Tierarzt sucht die Magenwand nach dem Angelhaken ab. Er bewegt das Endoskop zu allen Seiten, aber findet nichts. Krefelda, die 20 Zentimeter große Schildkröte, muss vorerst weiter mit Haken im Bauch leben. „Wir haben ihr Schmerzmittel gegeben, sie spürt kaum was“, sagt Kornelis Biron.
Am vergangenen Sonntag fand Julia Ermentrud „Krefelda“ im Stadtwald in einer provisorischen Hütte an einer Angelschnur. Sie brachte das Tier mit ihrem Vater zum Tierheim. Zunächst versuchte ein Krefelder Tierarzt, sie zu untersuchen. Am Donnerstag überwies er Krefelda an den Tierarzt Kornelis Biron. Der ist einer von nur 20 auf Reptilien spezialisierten Ärzten in Europa, studierte Tiermedizin in Leipzig und arbeitete währenddessen in Florida in einer Wildtierklinik. Seit fünf Jahren hat der 31-Jährige eine Praxis in Flingern.
Birons Praxis
Lage Die Reptilienpraxis von Kornelis Biron liegt an der Beethovenstraße 6 im Stadtteil Flingern.
Kontakt Informationen gibt es auch auf www.reptilientierarzt.de. Für Beratungen Termine verabreden 02 11/ 96 60 73 9.
Auch der Tierarzt ist wütend
Schildkröten operiert Biron gleich mehrere pro Woche. Aber einen Fall wie „Krefelda“, so tauften er und seine Mitarbeiterinnen das Tier gleich am ersten Tag, ist ihm noch nicht untergekommen. „Schildkröten mit Angelhaken gibt es viele, nur werden sie normalerweise nicht an Bäume gehängt. Da haben wahrscheinlich ein paar junge Kerle geangelt und sich dann über das Tier an der Schnur erschreckt.“
Krefelda ist ein geduldiges Tier, sie verzieht kaum eine Miene, während der Experte an ihr doktert. Weil Kornelis Biron mit dem Endoskop nichts findet, legt er die Schildkröte zunächst ins Röntgenzimmer. Der Haken ist später auf dem Röntgenbild klar zu sehen. Nur ist er schwer erreichbar.
Die Operation wird heute fortgeführt: Zunächst wird der Tierarzt versuchen, über einen Schnitt am Hals den Haken zu entfernen. Klappt das nicht, bekommt Krefelda am Nachmittag ganz viel Sauerkraut zu essen. Der Arzt hofft, dass der Haken sich im Kraut verfängt und dann über den Verdauungstrakt hinaus befördert wird. „Das klappt in vielen Fällen, die Gefahr aber ist, dass sich der Haken erneut festsetzt.“ Die letzte Rettung könnte dann noch sein, dass Biron den Panzer von unten aufschneidet. „Das ist die aufwendigste und strapaziöseste Variante.“
Bereits jetzt haben sich bei Frank Schankat vom Krefelder Tierheim etliche Familien gemeldet, die die Schildkröte aufnehmen wollen. Kornelis Biron würde sich freuen, wenn der neue Besitzer die Kosten der Operation übernähme, für die er derzeit noch aufkommt. Er untersucht oft Tiere aus dem Tierheim, ohne dafür bezahlt zu werden. „Ich helfe den Tieren ja gerne, deshalb bin ich Arzt geworden.“
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